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Begrenzte Wirkungen

Die Bankenprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) stärkt das europäische Bankensystem. Die schwache Kreditnachfrage im Euroraum wird sie allerdings kaum beseitigen. Dieses Fazit zog Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, in seinem Vortrag beim 13. Finanzmarkt-Round-Table des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, der DekaBank und der Börsenzeitung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bankenprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) stärkt das europäische Bankensystem - die schwache Kreditnachfrage im Euroraum wird sie allerdings kaum beseitigen.
  • Die Bankbilanzprüfung der EZB (im Fachjargon Asset Quality Review) sei das größte Ereignis für das europäische Bankensystem in diesem Jahr, meint Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater.
  • Das Prüfverfahren sei sinnvoll, weil es die Bestandsaufnahme des europäischen Bankensektors nach einheitlichen Kriterien vornehme.
Zur detaillierten Fassung

Die Bankbilanzprüfung der EZB (im Fachjargon Asset Quality Review) sei das größte Ereignis für das europäische Bankensystem in diesem Jahr, meint Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Man solle sie allerdings weder unter- noch überschätzen, ergänzt er.

Immerhin sei die Bankenprüfung der Startschuss für die europäische Bankenunion und damit durchaus ein neues Kapitel in der europäischen Wirtschaftsgeschichte (vgl. iwd 13/2014). Denn eine einheitliche Bewertung von Banken habe es, so Kater weiter, bisher noch nicht gegeben. „Und es ist ein eindrucksvolles Bekenntnis zum Euro und zum europäischen Finanzraum.“

Das Ganze falle in eine Situation, die man ganz einfach beschreiben könne, so der Chefvolkswirt. „Wir haben im Euroraum eine kreditlose Erholung – wenn man das Erholung nennen möchte, was da gerade passiert.“ Das sei an sich nicht schlimm. „Man kann ja durchaus den Standpunkt vertreten, dass man ein bisschen warten muss, und dann wird auch die Wirtschaftsentwicklung wieder anziehen. Wenn das Ganze aber so schwach wird, dass es deflationäre Entwicklungen auslösen kann, dann wird es gefährlich.“ Dann müsse man reagieren.

Allerdings könne die Bankenbilanzprüfung der EZB in diesem Punkt nicht viel bewirken, ist sich der Volkswirt sicher. Es werde jedoch wieder mehr Vertrauen im Bankensektor geben, und damit könne die Kreditvergabe gesunden.

Überdies sei das Prüfverfahren sinnvoll, weil es die Bestandsaufnahme des europäischen Bankensektors nach einheitlichen Kriterien vornehme. Es gebe eine einheitliche Definition von ausfallgefährdeten Krediten und einheitliche Risikogewichtungssystematiken. „Man könnte also sagen, ab jetzt sprechen alle Banken im Euroraum eine Sprache“, sagt Kater.

Das seien dann aber schon alle guten Nachrichten. „Was man an Annahmen reinsteckt, kommt hinten raus“, kritisiert Kater das Verfahren. Denn die Ergebnisse des Bankentests seien skalierbar. Es würden eben nicht flächendeckend alle Bilanzposten aufgenommen, „das geht nicht, das ist zu viel“.

Auch die Bestände an Staatsanleihen blieben beim Bankentest außen vor oder würden zumindest als problemlos angesehen. Belastungen, die sich aus steigenden Zinsen ergeben könnten, kommen im Stresstest nicht vor, bemängelt der Banker.

Angesichts der bisher gemeldeten ausfallgefährdeten Kredite seien außerdem die zu erwartenden Abschreibungen im europäischen Bankensystem noch sehr hoch. Das Volumen dieser „Non Performing Loans“ belaufe sich auf Hunderte Milliarden Euro. Es sei einfach nicht genug Masse da, diese Abschreibungen zu verkraften. „Die Bilanzprüfungen und der Stresstest helfen hier nicht weiter“, meint Kater.

Sein Fazit lautet deshalb, man solle den Bankentest nicht überfrachten. Er stärke zwar das europäische Bankensystem. Die schwache Kreditnachfrage behebe er aber nicht. „Denn es sind nicht nur kreditseitige Angebotsprobleme, die wir im Euroraum haben, sondern auch schwerwiegende Strukturprobleme in den einzelnen Wirtschaften.“

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