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Begehrtes Berlin

Am 18. September wählen die Berliner ein neues Abgeordnetenhaus. Die wirtschaftlichen Perspektiven der Hauptstadt sind vielversprechend: Weil die 3,5-Millionen-Metropole vor allem bei jungen Leuten hoch im Kurs steht und zudem mit niedrigen Lebenshaltungskosten punkten kann, entwickelt sie sich zur hippen Gründerhauptstadt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Berlin zieht nicht nur viele junge Leute an, sondern auch Start-ups.
  • Mit gut 600 Start-up-Unternehmen ist Berlin die deutsche Gründerhauptstadt.
  • Die deutsche Hauptstadt profitiert zudem vom Brexit – viele britische Investoren wollen von der Themse an die Spree umziehen.
Zur detaillierten Fassung

Wenn es stimmt, dass Menschen gerne dahin gehen, wo sie sich eine gute Zukunft versprechen, hat Berlin offenbar alles richtig gemacht:

Seit 2010 sind jedes Jahr durchschnittlich 80.000 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren nach Berlin gezogen – fast die Hälfte davon kam aus dem Ausland.

Ein Grund dafür ist Berlins Image als moderne, weltoffene und lebendige Stadt, die vor allem jungen Leuten eine Menge bietet. Hinzu kommt, dass die deutsche Hauptstadt – im Vergleich zu vielen anderen Hauptstädten – relativ niedrige Lebenshaltungskosten hat. Wohl nicht zuletzt deshalb sind viele der Zugezogenen Studenten:

In Berlin sind mehr als 170.000 Studenten an 42 Universitäten und Hochschulen eingeschrieben.

Die beiden größten Hochschulen, die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin, gehören außerdem noch zu jenen elf deutschen Elite-Unis, die im Rahmen der jüngsten Exzellenzinitiative ausgezeichnet wurden.

Berlin ist ein begehrter Standort – für junge Leute und für Start-ups.

Als Wissenschaftsstandort hat Berlin also durchaus großes Potenzial und kann vielleicht sogar an seine lange Tradition anknüpfen: So gingen zwischen 1901 und 1939 beeindruckende 17 Prozent aller Nobelpreise an Wissenschaftler, die in Berlin gewirkt haben.

Die Start-up-Hochburg Berlin

All das erklärt auch, warum Berlin mehr Start-up-Unternehmen anzieht als jede andere Stadt in Deutschland. An der Spree gibt es mittlerweile mehr als 600 Start-ups mit insgesamt gut 13.000 Mitarbeitern. Allein im ersten Halbjahr 2016 konnten diese jungen Firmen 520 Millionen Euro Venture-Capital einsammeln – damit liegt Berlin weit vor München mit 182 Millionen Euro.

Was die Wirtschaftskraft insgesamt angeht, zieht die deutsche Hauptstadt – im Gegensatz zu allen anderen europäischen Hauptstädten – aufgrund ihres relativ niedrigen Bruttoinlandsprodukts (BIP) je Einwohner den gesamtdeutschen Schnitt zwar noch immer nach unten (siehe iwd-Artikel „Der Wohlstandseffekt der Hauptstadt“). Gleichwohl ist Berlin auf einem guten Weg (Grafik):

Von 2011 bis 2015 ist das Berliner Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 5,3 Prozent um 1,2 Prozentpunkte stärker gewachsen als das gesamtdeutsche BIP – und beim Beschäftigungsaufbau war die Hauptstadt sogar doppelt so gut wie Deutschland.

Gute Aussichten dank Brexit

Und der Boom könnte weitergehen. Ein Grund dafür ist ausgerechnet der bevorstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Weil viele Investoren auf der Insel – insbesondere in London – vor einer ungewissen Zukunft stehen, zeigen sie nun ein großes Interesse daran, von der Themse an die Spree umzuziehen. Allen voran sogenannte Fintech-Unternehmen, die ihr Geld damit verdienen, die Finanzbranche zum Beispiel mit Programmen für die automatisierte Vermögensverwaltung oder Kapitalanlage zu versorgen.

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