Wirtschaftswachstum Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Bedingt nachhaltig

Das reale Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland seit 1991 zwar langsamer gestiegen als im Schnitt der Industrieländer. Doch in mancherlei Hinsicht war und ist das deutsche Wachstum nachhaltiger – zum Beispiel, weil viel Geld in die Forschung fließt. Zu den Schwachstellen zählen die eher niedrige Investitionsquote und der hohe Energieverbrauch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das reale Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland seit 1991 zwar langsamer gestiegen als im Schnitt der Industrieländer.
  • Im Jahr 2010 haben die deutschen Unternehmen und der Staat gut 2,8 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung ausgegeben – im europäischen Vergleich ein Spitzenwert.
  • Das deutsche Nettonationaleinkommen je Einwohner lag 2010 bei rund 32.400 Dollar.
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Die Euro-Schuldenkrise macht es deutlich: Wenn die Wirtschaft nicht wächst, sind finanzpolitische und soziale Probleme nur schwer in den Griff zu bekommen. Ein Blick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt, wie sich die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich entwickelt hat (Grafik):

Das reale Bruttoinlandsprodukt Deutschlands ist von 1991 bis 2011 im Jahresschnitt um 1,5 Prozent gestiegen, die OECD-Länder kamen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Allerdings muss wirtschaftliches Wachstum nachhaltig sein. So gilt es vorzusorgen, damit künftige Generationen einen vergleichbaren oder sogar höheren Wohlstand genießen können. Deshalb ist es sinnvoll, zusätzlich zum BIP auch Kennziffern in den Blick zu nehmen, die die Nachhaltigkeit beurteilen:

Ökonomische Nachhaltigkeit. Die Forschungsaktivitäten sind ein Indikator dafür, inwieweit heute der Boden für das Wachstum von morgen bereitet wird. Hier ist Deutschland Vorreiter (Grafik):

Im Jahr 2010 haben die deutschen Unternehmen und der Staat gut 2,8 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung ausgegeben – im europäischen Vergleich ein Spitzenwert.

Zudem ist die deutsche FuE-Quote in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Investitionen sind ebenfalls wichtig, damit der Kapitalstock – etwa die Produktionsanlagen der Betriebe – ausgebaut und modernisiert werden kann. Die deutsche Wirtschaft hat 2010 jedoch nur rund 17 Prozent des BIP für neue Maschinen, Fertigungsanlagen und Bauten ausgegeben – gut 1 Prozentpunkt weniger als der Durchschnitt der Industrie­länder. Bedenklich ist vor allem, dass der Trend zuletzt nach unten wies.

Auch andere Indikatoren zeigen, dass es um die ökonomische Nachhaltigkeit in Deutschland nur halbwegs gut bestellt ist. Zwar sind zum Beispiel die Arbeitnehmer überdurchschnittlich produktiv – aber ihre Zahl wird künftig schrumpfen, weil Deutschland schnell altert und es weniger Nachwuchs gibt.

Soziale Nachhaltigkeit. Um den Zusammenhalt und die Entfaltungsmöglichkeiten in einer Gesellschaft zu erhalten und zu stärken, ist eine Ressource unverzichtbar: Geld. Daher bemisst sich die soziale Nachhaltigkeit auch am Einkommen:

Das deutsche Nettonationaleinkommen je Einwohner lag 2010 bei rund 32.400 Dollar – das waren etwa 2.500 Dollar mehr als in der EU-15, also der Europäischen Union vor der Ost-Erweiterung.

Die Einkommen hierzulande sind nicht nur höher, sondern zudem etwas gleichmäßiger verteilt als bei den europäischen Nachbarn. Und seit 2005 hat die Ungleichheit auch nicht weiter zugenommen, so die Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels.

Ökologische Nachhaltigkeit. Die deutsche Wirtschaft hat nach wie vor einen höheren Industrieanteil als andere wohlhabende Volkswirtschaften. Folglich ist nicht nur der Energieverbrauch je Einwohner höher als anderswo, Deutschland emittiert pro Kopf gerechnet auch mehr Treibhausgase. Dennoch kommt die größte Wirtschaft Europas je 1.000 Euro BIP mit weniger Energie aus als die EU-Staaten im Durchschnitt. Zudem geht Deutschland sparsamer mit knappen Rohstoffen um (siehe auch Beilage „Wirtschaft und Unterricht“ in dieser Ausgabe): Mit jeweils dem gleichen Materialverbrauch erbrachten die Unternehmen zuletzt eine um rund 34 Prozent höhere Wirtschaftsleistung als die Firmen im EU-Schnitt.

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