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Bau treibt Handwerk

Die eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland haben 2013 mehr als 500 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Vor allem der Bauboom tut der Branche gut.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland haben 2013 mehr als 500 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.
  • Investitionen für neue Wohnungen und Gewerbebauten sowie Umbau und Sanierung sind für das Handwerk ein gutes Geschäft – besonders wegen der in die Jahre gekommenen Wohnungsbestände und der Dämmmaßnahmen.
  • Im Jahr 2013 gab es fast ein Fünftel mehr Handwerksfirmen als 2003 – die Zahl der Beschäftigten sank aber um 7 Prozent auf 5,4 Millionen.
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Dank Niedrigzinsen und hohen Zuwanderungszahlen läuft der Bausektor – eine tragende Säule des Handwerks – derzeit rund. Es wird so viel in neue Wohnungen und Gewerbebauten investiert wie schon lange nicht mehr. Auch Umbau und Sanierung sind für das Handwerk ein gutes Geschäft – wegen der in die Jahre gekommenen Wohnungsbestände und der Dämmmaßnahmen.

Nur der Staat ziert sich noch bei den notwendigen Investitionen in die Infrastruktur, trotz maroder Straßen und Bahnstrecken.

Das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe steuern insgesamt etwa 40 Prozent zum Umsatz des Handwerks bei.

Dass der Bau das Rückgrat des Handwerks ist, zeigt sich auch an der Beschäftigung: In den nahezu 305.000 Betrieben des Bau- und Ausbaugewerbes arbeiten derzeit knapp 1,9 Millionen Menschen. Und dies sind lediglich jene Betriebe, für die ein Meisterbrief obligatorisch ist. Hinzu kommen noch baunahe Firmen ohne Meisterpflicht – zum Beispiel Fliesen- oder Parkettleger und Kabelverleger.

Insgesamt hängen vier von zehn Handwerksjobs am Bau.

Weil auch jenseits des Baus die Binnenwirtschaft an Fahrt gewinnt, hat das Handwerk einen sehr guten Start ins Jahr 2014 hingelegt. Viele Firmen wollen neue Mitarbeiter einstellen, wobei sich aber der Fachkräftemangel als Hindernis erweist. Zudem finden viele Handwerker wegen der demografischen Entwicklung und des Runs auf die Hochschulen keine Auszubildenden.

Dementsprechend ist der Anteil der unbesetzten Lehrstellen an allen gemeldeten Ausbildungsplätzen von gut 5 Prozent im Jahr 2009 auf fast 10 Prozent 2013 gestiegen. Parallel nahm die Zahl der Azubis von 383.000 auf 314.000 ab. Besonders im Osten mangelt es an Nachwuchs.

Mittelfristig hat die Zahl der Handwerksbetriebe zwar deutlich zugenommen, die Zahl der Beschäftigten ist gleichzeitig jedoch zurückgegangen (Grafik):

Im Jahr 2013 gab es fast ein Fünftel mehr Handwerksfirmen als 2003 – die Zahl der Beschäftigten sank aber um 7 Prozent auf 5,4 Millionen.

Diese gegenläufigen Trends sind unter anderem auf die Reform der Handwerksordnung 2004 zurückzuführen. Seither müssen 53 Berufsgruppen – u. a. Raumausstatter und Gebäudereiniger – keinen Meistertitel mehr vorweisen, um sich selbstständig zu machen. Dadurch kam es zu einem regelrechten Gründungsboom: Mittlerweile gibt es fast 230.000 Firmen ohne Meister – dreimal so viele wie vor der Reform. Rund 50.000 davon gehören Handwerkern aus Osteuropa.

Die Gründungswelle hat auch dazu geführt, dass ein Handwerksbetrieb heute im Durchschnitt nur noch fünf Beschäftigte hat – vor zehn Jahren waren es noch acht Mitarbeiter.

Zum Handwerk gehören im Übrigen noch die handwerksähnlichen Gewerbe – zum Beispiel selbstständig arbeitende Klavierstimmer und Maskenbildner. Für sie war schon vor der Reform der Handwerksordnung keine Meisterprüfung nötig.

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