Autonomes Fahren Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Automobilindustrie punktet mit Patenten

Deutschlands wirtschaftliche Stärke basiert vor allem auf der Automobilindustrie. Die Sorgen, kapitalstarke Internetkonzerne wie Google oder Apple könnten die Autos der Zukunft bauen, sind deshalb verständlich. Noch gibt es aber kaum Anzeichen für solch eine Revolution – im Gegenteil.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das autonome Fahren entwickelt sich zum technologischen Megatrend.
  • Deutsche Autohersteller und -zulieferer haben wesentlich mehr Patente dazu angemeldet als die Newcomer Google oder Tesla.
  • Gegen die Digitalisierungskompetenz der Internetunternehmen punkten Volkswagen und Co. mit Konstruktions-Know-how und eigenen Entwicklungen.
Zur detaillierten Fassung

Google wird das neue VW, unken in letzter Zeit Visionäre und Apokalyptiker gleichermaßen. Dahinter steckt die Idee des selbstfahrenden Autos, mit der sich das Internetunternehmen schon seit Jahren beschäftigt und die sich in den vergangenen Monaten zusehends vom Hirngespinst zum technologischen Megatrend gemausert hat. Inzwischen ist das automatisierte Fahren auch in Deutschland gesetzlich zulässig – unter der Voraussetzung, dass die Frau oder der Mann hinterm Steuer jederzeit die Kontrolle übernehmen kann.

Visionär ist diese Vorstellung, weil dadurch der Fahrkomfort um ein Vielfaches steigen würde und menschliches Fehlverhalten zumindest teilweise ausgeschaltet werden könnte. Apokalyptisch könnte das Szenario vor allem aus deutscher Sicht sein. Denn Wachstum und Wohlstand hängen hierzulande in hohem Maß von der Autoindustrie ab – und wenn diese den Anschluss an eine technische Innovation verliert, könnte mit ihr die gesamte Wirtschaft unter die Räder geraten.

Weltweit gibt es derzeit fast 3.000 Patente zum autonomen Fahren, 58 Prozent kommen von deutschen Herstellern.

Noch kann jedoch keine Rede davon sein, dass VW und Co. sich von automobilen Newcomern wie Google, Apple oder dem amerikanischen Elektroautohersteller Tesla den Schneid abkaufen lassen, wie eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) belegt. Im Gegenteil, die deutsche Automobilindustrie ist führend in der Forschung und Entwicklung rund um die Automatisierung des Autofahrens (Grafik):

Derzeit gibt es weltweit 2.838 Patente zum autonomen Fahren – davon entfallen 58 Prozent auf deutsche Hersteller.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit großem Abstand die USA und Japan. Zu den Top Ten der innovativen Unternehmen zählen allein sechs Firmen aus Deutschland, allen voran der Zulieferer Bosch mit 545 Patenten zum selbstfahrenden Auto – zweieinhalbmal so viele, wie Google angemeldet hat. Die übrige vermeintliche Konkurrenz aus den Reihen der Internetunternehmen und anderer Newcomer taucht in der Rangliste gar nicht auf.

So punkten deutsche Autobauer gegen die Konkurrenz

Zweifelsohne steht die hiesige Automobilindustrie vor einer Herausforderung. Denn Konzerne wie Google oder Tesla haben spezifische Kompetenzen:

  1. Ihr Metier sind Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität oder Big Data, die Datenverarbeitung im großen Stil.
  2. Sie sind ausgesprochen kapitalstark und können dadurch auch investitionsintensive Innovationsprozesse stemmen.
  3. Sie kennen sich mit technologischen Umbrüchen aus.

Was die deutsche Fahrzeugbranche dem entgegenzusetzen hat, sind eigene Entwicklungsaktivitäten auf dem Gebiet des autonomen Fahrens gepaart mit dem Know-how der Autokonstrukteure, aber auch die Stärke im Segment der Premiumfahrzeuge, mit denen sich die meist teuren technischen Neuheiten leichter in den Markt einführen lassen. Außerdem haben die deutschen Autohersteller einen hohen Marktanteil in China – und dort ist die Begeisterung fürs automatische Auto besonders groß.

Autonomes Fahren – was ist das eigentlich?

Die Familie macht es sich im Fond ihres SUVs gemütlich und der Wagen manövriert allein von A nach B – so stellen sich viele das selbstfahrende Auto vor. Aber autonomes Fahren fängt schon viel früher an: Es besteht aus aufeinander aufbauenden Automatisierungsschritten. Spurverlassenswarner zählen noch nicht dazu, Spurhalteassistenten dagegen schon. Ein teilautomatisiertes Fahrzeug kann selbstständig lenken, bremsen und beschleunigen, der Fahrer muss aber die Augen offen halten und kann jederzeit das Steuer übernehmen. Hochautomatisierte Autos dagegen machen fast alles allein, sie überwachen auch den Verkehr. Selbst zu fahren, ist für den Menschen nur noch in bestimmten einstellbaren Modi möglich.

Vgl. IW-Trends 2/2016: 
Hubertus Bardt: Autonomes Fahren – eine Herausforderung für die deutsche Autoindustrie

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