Norwegen Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Außen vor und doch dabei

Als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums hat Norwegen seit mehr als 20 Jahren Zugang zum EU-Binnenmarkt. Entsprechend eng sind die gegenseitigen Handelsbeziehungen. Zugleich sind die Skandinavier aber auch verpflichtet, wirtschaftliche und soziale Fördermaßnahmen der EU mitzufinanzieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2013 gingen gut 81 Prozent der norwegischen Exporte in die Europäische Union, umgekehrt kamen 65 Prozent seiner Importe aus den EU-Ländern.
  • Von 2009 bis 2014 hat Norwegen insgesamt knapp 1,8 Milliarden Euro für wirtschaftliche und soziale EU-Projekte in 16 süd- und mitteleuropäischen Ländern bereitgestellt.
  • Dank seiner Öl- und Gasvorkommen liegt Norwegens Bruttoinlandsprodukt je Einwohner kaufkraftbereinigt um gut 80 Prozent über dem EU-Durchschnitt.
Zur detaillierten Fassung

Die Tore zum Binnenmarkt haben sich für Norwegen 1994 geöffnet, als der Europäische Wirtschaftsraum von den damals zwölf EU-Staaten und den Mitgliedern der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) realisiert wurde. Den Beitritt zur EU lehnten die Norweger allerdings Ende November 1994 per Referendum ab.

Doch auch ohne den Mitgliedsausweis gilt Norwegen als das Land, das am engsten mit der EU verflochten ist:

Im Jahr 2013 gingen gut 81 Prozent der norwegischen Exporte in die Europäische Union, umgekehrt kamen 65 Prozent seiner Importe aus den EU-Ländern.

Insgesamt kaufte die EU zuletzt Waren im Wert von 84 Milliarden Euro in Norwegen ein – mehr als die Hälfte davon machten Erdöl und Erdgas aus. Die EU-Lieferungen nach Norwegen beliefen sich auf gut 50 Milliarden Euro, mit Maschinen und Transportausrüstungen als größtem Posten. Für die EU ist Norwegen damit der fünftwichtigste Partner, auf den zuletzt 4 Prozent des gesamten außergemeinschaftlichen Handels entfielen.

Die Teilnahme am Binnenmarkt bringt Norwegen aber nicht nur Handelsvorteile, die Regierung in Oslo muss auch viele EU-Vorschriften übernehmen – bislang mehr als 10.000 –, ohne bei der Rechtsetzung mitentscheiden zu können. Außerdem ist das Land verpflichtet, sich an der Politik des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts in der EU zu beteiligen. In diesem Zusammenhang hat Norwegen von 2009 bis 2014 insgesamt knapp 1,8 Milliarden Euro für Projekte in 16 süd- und mitteleuropäischen Ländern bereitgestellt – etwa für die Erhöhung der Energieeffizienz in Polen oder Justizreformen in Rumänien.

Die Transfers dürften Norwegen nicht allzu schwergefallen sein, schließlich zählt das Land dank seiner Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee zu den reichsten Ländern der Welt (Grafik):

Das norwegische Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner liegt kaufkraftbereinigt um gut 80 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

Im Jahr 2014 trug das Öl- und Gasgeschäft 20 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Doch die Norweger sorgen auch für jene Zeiten vor, in denen das Öl nicht mehr sprudelt. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport fließen in einen Fonds, der zuletzt einen Wert von fast 900 Milliarden Dollar hatte – nahezu das Doppelte des norwegischen BIP. Das Geld soll später unter anderem helfen, die finanziellen Herausforderungen durch die alternde Bevölkerung zu meistern. Die Substanz des Fonds ist für den Staat tabu – aus den Erträgen flossen allerdings allein 2014 rund 25 Milliarden Dollar in den Haushalt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de