Ausländische Fachkräfte stärken den Arbeitsmarkt im Osten
Der demografische Wandel trifft die ostdeutschen Flächenländer besonders stark. Ausländische Fachkräfte wirken der Renteneintrittswelle deutscher Staatsbürger entgegen. Allerdings arbeiten im Vergleich zu Westdeutschland immer noch wenige internationale Beschäftigte im Osten.
- Seit 2019 sinkt aufgrund der Renteneintrittswelle die Zahl der deutschen Fachkräfte in Ostdeutschland durchgängig, die der EU-Bürger und Drittstaatler legt dagegen jährlich zu.
- Ohne ausländische Fachkräfte wäre die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den ostdeutschen Flächenländern im Zeitraum seit 2014 um 191.000 niedriger ausgefallen.
- Allerdings ist der Anteil zugewanderter Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern im bundesweiten Vergleich weiterhin niedrig. Die Bundesländer sollten ein großes Interesse daran haben, mehr ausländische Arbeitskräfte zu sich zu holen.
Zunächst die erfreuliche Nachricht: In den ostdeutschen Flächenländern hat sich die Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren deutlich positiver entwickelt als im Rest des Landes. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dort pro Jahr im Schnitt um 2 Prozent. Die westdeutschen Bundesländer kamen nur auf einen Wert von 1,7 Prozent.
Auch die wirtschaftlichen Herausforderungen infolge der Coronapandemie und des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine konnte der Osten besser bewältigen. Zwischen 2020 und 2025 wuchs das preisbereinigte BIP jährlich um durchschnittlich 0,4 Prozent – während es in Westdeutschland stagnierte.
Dies spiegelt sich aber nicht auf dem Arbeitsmarkt wider:
Im Jahresdurchschnitt 2024/2025 lag die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den ostdeutschen Flächenländern nur um 3 Prozent höher als 2014/2015. In Westdeutschland waren es dagegen fast 15 Prozent mehr.
Das liegt in erster Linie daran, dass der demografische Wandel in den ostdeutschen Bundesländern stärker ins Gewicht fällt. Die Beschäftigungsentwicklung wäre dabei ohne ausländische Fachkräfte – vor allem aus Drittstaaten – noch deutlich schwächer (Grafik):
Seit 2019 sinkt die Zahl der deutschen Fachkräfte in Ostdeutschland durchgängig, die der EU-Bürger und Drittstaatler legt dagegen jährlich zu.
Ohne ausländische Fachkräfte wäre die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Zeitraum seit 2014 um 191.000 niedriger ausgefallen. Allerdings ist der Anteil zugewanderter Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern im bundesweiten Vergleich weiterhin niedrig.
In Ostdeutschland wirken ausländische Fachkräfte der Renteneintrittswelle deutscher Staatsbürger entgegen.
Hinzu kommt: Die internationalen Fachkräfte arbeiten im Osten oft in Berufen mit ausgeprägtem Fachkräftemangel. Dazu zählen Berufskraftfahrer, Ärzte, Pfleger und Gastronomiepersonal. Fast 160.000 Ausländer sind hier tätig.
Angesichts des demografischen Wandels und der schon bestehenden Fachkräftelücken sollten die ostdeutschen Flächenländer ein großes Interesse daran haben, mehr ausländische Arbeitskräfte zu sich zu holen. Dafür braucht es aber einfachere Einwanderungs- und Anerkennungsverfahren, Angebote auf dem Wohnungsmarkt sowie ein offenes politisches Klima.