IW-Konjunkturprognose Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Aufschwung mit Risiken

Weil die Weltkonjunktur wieder Fahrt aufgenommen hat, macht auch die deutsche Wirtschaft mehr Tempo. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erwartet für 2014 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1 ¾ Prozent; im kommenden Jahr sind sogar 2 Prozent drin. Allerdings ist die Prognose wegen der weltwirtschaftlichen Risiken mit Unsicherheiten behaftet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erwartet für 2014 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1 ¾ Prozent.
  • Eine Mehrheit von 53 Prozent der Unternehmen erwartet für 2014 einen Produktionsanstieg, lediglich 10 Prozent befürchten ein Minus.
  • Insgesamt werden die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen 2014 real um 6 Prozent höher ausfallen als im vergangenen Jahr. Für 2015 rechnet das IW Köln mit einem Plus von 6 ¼ Prozent.
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Die Krise auf der Krim und die möglichen ökonomischen Folgen setzen derzeit hinter jeden Konjunkturausblick ein großes Fragezeichen. Aber auch in bedeutenden Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China führen politische Konflikte zu wirtschaftlichen Unwägbarkeiten. Und in der EU sind die Folgen der Staatsschuldenkrise keineswegs überwunden. Trotz all dieser Risiken geht das IW Köln davon aus, dass die Lage in den Schwellenländern nicht eskaliert und die Krise in Europa nicht zurückkehrt.

Diesen Optimismus teilen auch die gut 3.000 Unternehmen in West- und Ostdeutschland, die das IW Köln in diesem Frühjahr befragt hat. So bewerten 46 Prozent der Firmen ihre Geschäftslage besser als im Herbst 2013, nicht einmal 14 Prozent berichten von einer Verschlechterung. Die Aussichten sind sogar noch rosiger (Grafik):

Eine Mehrheit von 53 Prozent der Unternehmen erwartet für 2014 einen Produktionsanstieg, lediglich 10 Prozent befürchten ein Minus.

Besonders zuversichtlich sind die Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen – von ihnen rechnen 59 Prozent mit einem höheren Output. Am schlechtesten läuft es in der Baubranche, aber selbst dort erwarten noch 43 Prozent der Unternehmen ein geschäftliches Plus.

Die recht günstigen Perspektiven zeigen sich auch in den weiteren Ergebnissen der Unternehmensbefragung sowie den Eckdaten der IW-Konjunkturprognose (Tabelle):

  1. Außenhandel. Im Auslandsgeschäft sind die globalen Risiken besonders relevant. Gleichwohl gehen 34 Prozent der deutschen Firmen von steigenden Exporten in diesem Jahr aus, nur 8 Prozent von einem Rückgang. Am besten ist die Stimmung im Investitionsgütersektor – dort erwarten 52 Prozent der Betriebe einen Zuwachs der Ausfuhren.

Insgesamt werden die deutschen Exporte von Waren und Dienstleis­tungen 2014 real um 6 Prozent höher ausfallen als im vergangenen Jahr. Für 2015 rechnet das IW Köln mit einem Plus von 6 ¼ Prozent.

Das ist gerade deshalb erfreulich, weil der weitere Anstieg der Lohnstückkosten sowie die immer höheren Energiekosten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Firmen eher schwächen.

  1. Investitionen. Weil die Geschäftsaussichten überwiegend gut sind, die Kapazitätsauslastung steigt und die Zinsen niedrig bleiben, stecken die Unternehmen wieder mehr Geld in ihre Ausrüstung, also in neue Maschinen und Anlagen. Laut IW-Umfrage gehen 44 Prozent der Firmen von steigenden Investitionen in diesem Jahr aus. Von den Dienstleistern wollen 2014 sogar 47 Prozent ihr Investitionsbudget aufstocken.

Somit legen die realen Ausrüs­tungsinvestitionen in diesem Jahr um 5 Prozent zu. Verschlechtern sich die Rahmenbedingungen nicht unerwartet, ist 2015 sogar ein Zuwachs von 6 ½ Prozent möglich.

  1. Arbeitsmarkt. Mit dem konjunkturellen Aufschwung setzt sich auch die erfreuliche Beschäftigungsentwicklung in Deutschland fort:

Für 2014 rechnen 38 Prozent der Unternehmen mit einer steigenden Mitarbeiterzahl; nur 14 Prozent gehen von einem Personalabbau aus.

Mit Abstand die besten Jobperspektiven bietet der Dienstleistungssektor – dort wollen 41 Prozent der Betriebe zusätzliche Stellen schaffen.

Unterm Strich rechnen die IW-Arbeitsmarktexperten 2014 und 2015 mit insgesamt rund 640.000 neuen Arbeitsplätzen in Deutschland, sodass die Zahl der Erwerbstätigen auf fast 42 ½ Millionen steigt – das wären 3 ½ Millionen mehr als im Jahr 2005. Darunter sind allerdings viele, die bisher gar nicht am Arbeitsmarkt aktiv waren. Nicht zuletzt deshalb sinkt die Zahl der Arbeitslosen bis 2015 nur um rund 130.000 auf 2,8 Millionen.

  1. Privater Konsum. Die neuen Jobs sorgen für zusätzliches Einkommen. Da zudem die Inflation sehr moderat bleibt, steigen die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte weiter – 2014 und 2015 jeweils um 1 ¼ Prozent. Damit steuert der private Konsum in beiden Jahren etwa 0,7 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum in Deutschland bei.

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