Güterverkehr Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Aufs Gleis gesetzt

Zwar macht der Schienenverkehr aktuell vor allem durch Streiks von sich reden, jedoch laufen 20 Jahre nach der Bahnreform auch viele Dinge richtig. Denn obwohl der Wirtschaftszweig noch an den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise knabbert, hat seit dem Jahr 2008 gerade auch mehr Wettbewerb den Schienengüterverkehr beflügelt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und den Bundeshaushalt zu entlasten – das waren die Kernziele der Bahnreform im Jahr 1994.
  • Zu den wichtigsten Transportgütern auf der Schiene gehören Kohle und Metallerzeugnisse. Aber auch jeder zweite Neuwagen geht per Bahn auf die Reise.
  • Der Marktanteil der Wettbewerbsbahnen lag im Jahr 2013 bei 33 Prozent – zehn Jahre zuvor waren es gerade einmal 7 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

Mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und den Bundeshaushalt zu entlasten – das waren die Kernziele der Bahnreform im Jahr 1994. Beides wurde weitgehend erreicht. Im Zuge der Reform wurde unter anderem die Bahn entschuldet und das Schienennetz für Dritte geöffnet. Besonders erfreulich ist, wie sich der Schienengüterverkehr seitdem entwickelt hat (Grafik):

Im Jahr 2013 summierte sich der Gütertransport auf der Schiene auf mehr als 110 Milliarden Tonnenkilometer – ein Anstieg von 60 Prozent seit 1994.

Zugelegt hat der Güterverkehr auch dadurch, dass Transitverbindungen aus dem Süden und dem Osten Europas zu den Häfen an der Nordsee stärker genutzt werden und so der europäische Wirtschaftsraum weiter zusammengewachsen ist. Besonders ausgelastet sind daher auch die Routen im Hinterland der deutschen Seehäfen. Tatsächlich war das Wachstum des Schienengüterverkehrs zwischen 2002 und 2008 so stark, dass die Bahn erstmals seit Jahrzehnten Marktanteile zurückgewinnen konnte.

Doch mit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 brach auch der Umsatz im Schienengüterverkehr ein und sank im Folgejahr um satte 18 Prozent. Bis heute konnte der Spitzenwert aus dem Vorkrisenjahr nicht wieder erreicht werden.

Dass der Schienenverkehr sich nur langsam erholt hat, liegt zum einen an der Art der beförderten Güter. Die Bahn hat Wettbewerbsvorteile auf langen Strecken und bei der Beförderung schwerer Güter, deren Verbrauch während der Krise besonders stark zurückgegangen ist.

Zu den wichtigsten Transportgütern auf der Schiene gehören Kohle und Metallerzeugnisse. Aber auch jeder zweite Neuwagen geht per Bahn auf die Reise.

Zum anderen waren die süd- und osteuropäischen Länder viel stärker von der Krise betroffen als Deutschland – der von Süd- und Osteuropa ausgehende Langstreckenverkehr schwächelt bis heute.

Neuen Antrieb bekam der Gütertransport nach der Krise durch die zunehmende Konkurrenz im Schienengüterverkehr. So konnten die privaten Bahnen ihre Transportleis­tung seit dem Einbruch im Jahr 2008 um mehr als 50 Prozent steigern, während die Deutsche Bahn nahezu 18 Prozent ihrer Transportleistung verloren hat.

Der Marktanteil der Wettbewerbsbahnen lag im Jahr 2013 bei 33 Prozent – zehn Jahre zuvor waren es gerade einmal 7 Prozent.

Die Trendwende im Schienengüterverkehr ist also nicht zuletzt das Ergebnis von mehr Wettbewerb. Nach der Bahnreform dauerte es zwar fast zehn Jahre, bis die erste ernst zu nehmende Konkurrenz zur Deutschen Bahn entstand. Von da an aber startete auch der Schienengüterverkehr durch. Bessere Angebote zogen deutlich mehr Verkehr auf die Schiene.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de