Bundesländer-Vergleich Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Aufholer und Platzhirsche

Der Osten wächst dynamischer als der Westen. Und auch beim Wohlstandsniveau holen die neuen Bundesländer langsam, aber sicher auf – das zeigt das 10. Bundesländerranking der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Osten wächst dynamischer als der Westen.
  • Das Bundesland Brandenburg konnte sich in den wirtschaftlichen Turbulenzen am besten behaupten und wird bereits zum dritten Mal in Folge zum dynamischsten Bundesland gekürt.
  • In Berlin, Brandenburg und dem Freistaat Sachsen war dagegen auch eine steigende Zahl von Erwerbstätigen zu verzeichnen.
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Die Sieger sind alte Bekannte: Zum 10. Jubiläum des Rankings platziert sich der zweimalige Champion Brandenburg erneut auf dem ersten Rang, wenn es um das dynamischste Bundesland geht, und der Freistaat Bayern bekommt sogar schon zum neunten Mal die Krone des Niveausiegers im Ranking der Bundesländer mit dem höchsten Wohlstandsniveau verliehen.

Das diesjährige Dynamikranking hat mit den Jahren 2008 bis 2011 eine Zeit untersucht, die einer Achterbahnfahrt gleicht. Einem dramatischen wirtschaftlichen Abschwung aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise folgte ein ebenso beeindruckender Aufschwung.

Das Bundesland Brandenburg konnte sich in den wirtschaftlichen Turbulenzen am besten behaupten (Grafik) und wird bereits zum dritten Mal in Folge zum dynamischsten Bundesland gekürt. Die Stärke der gesamten Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg zeigt sich auch am dritten Platz von Berlin.

Brandenburg punktet bei vielen Einzelindikatoren. So stieg der Anteil der Erwerbstätigen an allen Einwohnern im Alter von 15 bis 64 Jahren um fast 5 Prozentpunkte und damit stärker als in allen anderen Bundesländern. Auch bei der Quote der Arbeitslosengeld-II-Empfänger, der Steuerkraft und der Exportquote hat sich Brandenburg deutlich verbessert.

Die Probleme mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens haben sich noch nicht negativ auf das Ranking ausgewirkt – im Gegenteil. Der Schönefelder Flughafen hat eher für Wachstumsimpulse gesorgt. Das brandenburgische Wirtschaftsministerium notierte allein in den vergangenen zwei Jahren rund 200 Ansiedlungsvorhaben im Umfeld des neuen Airports mit insgesamt 9.000 neuen Arbeitsplätzen. Unter den Investoren sind große Unternehmen wie Rolls-Royce, Siemens und MTU. Wie sich allerdings die Verzögerungen bei der Flughafeneröffnung auswirken, bleibt abzuwarten.

Auch die anderen ostdeutschen Bundesländer machen Tempo. Besonders ihre Arbeitsmarktdaten haben sich verbessert – allerdings mit gewissen Einschränkungen. In Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel ging der deutliche Rückgang der Arbeitslosenquoten mit einem Rückgang der Beschäftigung einher. Grund für die fallenden Quoten war die hohe Verrentung älterer Arbeitnehmer bei gleichzeitigem Rückgang der Berufseinsteiger.

In Berlin, Brandenburg und dem Freistaat Sachsen war dagegen auch eine steigende Zahl von Erwerbstätigen zu verzeichnen.

Im Westen der Republik zeigten sich Niedersachsen und Bayern am dynamischsten.

Im zweiten Teil des Bundesländervergleichs, dem Bestandsranking, hat sich auf den ersten Rängen wenig getan. Wie in den vergangenen neun Jahren steht der Freistaat Bayern an der Spitze. Und ebenfalls wie immer lieferten sich Baden-Würt­temberg und Hamburg ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Wohlstands-Silbermedaille.

Ins Mittelfeld dagegen ist Bewegung eingezogen: Zum ersten Mal in der Geschichte des Rankings konnten sich ostdeutsche Bundesländer vor einem westdeutschen Land platzieren: Sachsen auf Rang zehn und Thüringen auf Rang elf. Beide Bundesländer haben sich vor Bremen geschoben, das nur auf Platz zwölf landete. Zwar sind in beiden ostdeutschen Ländern die Wohlstandskennziffern schlechter als im Norden, doch das haben die Verbesserungen am Arbeitsmarkt wettgemacht.

Nichtsdestotrotz: Noch gibt es große strukturelle Unterschiede zwischen den Aufholern aus dem Osten und den Platzhirschen im Wes­ten. In Sachen Arbeitsmarkt und Wohlstand werden besonders die drei Letztplatzierten Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin noch viel zu tun haben, bevor man von einer Angleichung der Lebensverhältnisse sprechen kann.

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