Pharmaindustrie Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Auf Wachstumskurs

Sie gehört zu den innovativsten Branchen Deutschlands und bietet mehr als 110.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Die Pharma­industrie entwickelt sich seit Jahren überdurchschnittlich gut – und das nicht nur an ihren Hauptstandorten in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Pharmaindustrie entwickelt sich seit Jahren überdurchschnittlich gut - sie gehört zu den innovativsten Branchen Deutschlands und bietet mehr als 110.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz.
  • Im Jahr 2013 erzielte die deutsche Pharmaindustrie einen Umsatz von mehr als 43 Milliarden Euro – jeder Pharmabeschäftigte erwirtschaftete im Durchschnitt 394.000 Euro.
  • Fast drei Viertel aller Pharmabeschäftigten Deutschland arbeiten in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
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Die Pharmaindustrie ist ein Spitzentechnologiesektor und verbucht seit Jahren – unabhängig vom konjunkturellen Auf und Ab – ein überdurchschnittliches Wachstum (Grafik):

Im Jahr 2013 erzielte die deutsche Pharmaindustrie einen Umsatz von mehr als 43 Milliarden Euro – jeder Pharmabeschäftigte erwirtschaftete demnach im Durchschnitt beachtliche 394.000 Euro.

Das Auslandsgeschäft machte im Jahr 2013 zwei Drittel des Umsatzes aus. Gleichzeitig investierte die Pharmaindustrie in Deutschland 1,3 Milliarden Euro in Gebäude, Maschinen und Anlagen.

Zwar erreichte die Pharmaindus­trie 2013 ein ordentliches Umsatzplus von 3,4 Prozent, für ihre Verhältnisse verlief das Jahr trotzdem eher durchwachsen. Zum einen verharrte die Beschäftigung auf Vorjahresniveau. Zum anderen wuchs der Auslandsumsatz nur um 3,2 Prozent – 2012 hatte der Anstieg noch nahezu 9 Prozent betragen.

Ganz anders dagegen der Inlandsmarkt. Hier stieg der Umsatz 2013 um fast 4 Prozent. Dies ist ein ungewöhnlich guter Wert, denn der Inlandsabsatz war seit Beginn dieses Jahrzehnts kontinuierlich zurückgegangen. Das lag unter anderem an staatlichen Regulierungen wie Zwangsrabatten, Preismoratorien und der Einführung des Arzneimittel­marktneuordnungsgesetzes.

In einigen Teilen Deutschlands ist die Pharmaindustrie besonders stark vertreten (Grafik). Sie ballt sich in den Gebieten an Rhein, Ruhr und Main sowie im Großraum Berlin. Dies hat vor allem historische Gründe – Bayer zum Beispiel produziert schon seit 150 Jahren an Standorten in Nordrhein-Westfalen (NRW). Wie die chemischen Unternehmen waren auch die pharmazeutischen Betriebe ursprünglich auf Flusslagen angewiesen, die für den Transport ebenso wichtig waren wie für den Produktionsprozess selbst. Ein weiterer Vorteil dieser gewachsenen Ballungsräume liegt darin, dass sie eng an andere forschungsintensive Industrien angebunden sind. So finden sich in der Nähe zumeist auch viele Firmen der Chemiebranche, des Maschinenbaus und der Biotechnologie sowie hochqualifizierte Arbeitskräfte (vgl. iwd 41/2014).

In den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Nord­rhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz arbeiten fast drei Viertel aller Phar­mabeschäftigten Deutschlands.

Spitzenreiter ist Baden-Württemberg: Jeder vierte Pharmabeschäftigte Deutschlands ist hier angestellt. Es folgt Hessen mit einem Anteil von 18 Prozent vor NRW mit 11 Prozent der Pharmabeschäftigten.

Beim Umsatz sind Baden-Würt­temberg und Hessen ebenfalls eine Klasse für sich – zusammen erwirtschafteten sie 2013 fast die Hälfte des gesamten deutschen Pharma­umsatzes. Allein die hessischen Unternehmen zeichneten mit 11,8 Milliarden Euro für 27 Prozent des Umsatzes der deutschen Pharmabranche verantwortlich.

Auch im Vergleich zu anderen Industriebranchen hat sich die Pharmaindustrie in Deutschland überdurchschnittlich gut entwickelt: Während die Pharmabeschäftigung von 2010 bis 2013 um 6,6 Prozent zulegte, schaffte das Verarbeitende Gewerbe insgesamt lediglich ein Plus von etwas mehr als 5 Prozent.

Allerdings verteilt sich das Wachstum der Pharmaindustrie recht unterschiedlich auf die fünf großen Standorte. Die Beschäftigung in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wuchs von 2010 bis 2013 um gut 4 Prozent oder 3.300 Mitarbeiter. Berlin verzeichnete dabei als einziges Bundesland einen Rückgang. Hessen lieferte mit einem Beschäftigungswachstum von 3 Prozent zwar das zweitschwächste Ergebnis – die hier geschaffenen 580 neuen Arbeitsplätze entsprechen jedoch fast der gesamten Beschäftigungszahl am Pharmastandort Meck­lenburg-Vorpommern, dem kleinsten Deutschlands. Den größten Beschäftigungsschub gab es in Rheinland-Pfalz – die dortigen Pharmaunternehmen beschäftigten 2013 rund 13 Prozent mehr Mitarbeiter als noch drei Jahre zuvor.

Im Osten der Bundesrepublik ist die pharmazeutische Industrie mit insgesamt 11.000 Beschäftigten bislang vergleichsweise schwach vertreten, holt aber stetig auf: Im Zeitraum 2010 bis 2013 ist die Zahl der Mitarbeiter um mehr als 18 Prozent gestiegen, es wurden knapp 1.700 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen sind zwar die kleinsten Pharmastandorte Deutschlands. Dennoch ist die pharmazeutische Industrie in diesen Bundesländern überdurchschnittlich dynamisch: Zum einen wachsen diese Standorte seit 2010 deutlich stärker als die deutsche Pharmaindustrie insgesamt. Zum anderen entwickelte sich die Pharmabeschäftigung besser als die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe.

Die weiteren Aussichten für die deutschen Hersteller von pharmazeutischen Erzeugnissen sind ebenfalls gut: Weltweit wird die Nachfrage nach Pharmaprodukten und Medizintechnik in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Die Bevölkerung in den Industrieländern wird immer älter, die Weltbevölkerung wächst und steigende Einkommen ermöglichen eine bessere medizinische Versorgung. Vor allem die Absatzmärkte in bevölkerungsreichen Entwicklungs- und Schwellenländern wie China und Indien werden deutlich zulegen. Vor diesem Hintergrund ist der gerade gestartete Pharma-Dialog zwischen der Bundesregierung und den Arzneimittelherstellern in Deutschland ein wichtiger Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Arzneimittelforschung, -entwicklung und -produktion auch in Zukunft zu sichern.

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