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Auf Kosten der Beschäftigung

Gewerkschaften und manche Politiker behaupten, die Einführung eines Mindestlohns in Deutschland habe keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Eine Auswertung von acht Studien über tarifliche Branchenmindestlöhne kommt zu anderen Ergebnissen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Gewerkschaften und manche Politiker behaupten, die Einführung eines Mindestlohns in Deutschland habe keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt - Studien zeigen etwas anderes.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen im ostdeutschen Bauhauptgewerbe zusätzliche Mitarbeiter einstellen, ist um 2,7 Prozentpunkte gesunken.
  • Einzig für das Gebäudereinigerhandwerk lässt sich ein positiver Beschäftigungseffekt durch den Mindestlohn nachweisen.
Zur detaillierten Fassung

In zwölf Branchen existieren mittlerweile tarifliche Mindestlöhne auf der Grundlage des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes oder des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Die letzte Branche, für die ein Mindestlohn eingeführt wurde, ist das Gerüstbauerhandwerk. Seit 1. August 2013 gibt es dort mindestens 10 Euro je Stunde. Wissenschaftler sind sich nicht einig darüber, welche Folgen Mindestlöhne haben und ob sie die Arbeitslosigkeit erhöhen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat deshalb verschiedene Studien zu den Auswirkungen eines tariflichen Mindestlohns noch einmal etwas genauer unter die Lupe genommen. Untersucht wurde dabei entweder, wie sich nach Einführung eines Mindestlohns die Branchenbeschäftigung entwickelt hat, oder, wie groß die Wahrscheinlichkeit war, dass die Betriebe die Mitarbeiter weiterbeschäftigen bzw. neues Personal einstellen.

Für das Bauhauptgewerbe wurden eindeutig negative Auswirkung­en auf die Beschäftigung in Ostdeutschland festgestellt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen, ist um 2,7 Prozentpunkte gesunken (Grafik). Ein weiterer Negativeffekt zeigt sich im gesamtdeutschen Dachdeckerhandwerk: Durch die Einführung eines Mindestlohns fiel hier die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen Mitarbeiter weiter beschäftigen, im Schnitt um knapp 0,5 Prozentpunkte. Für die Abfallwirtschaft sowie das Maler- und Lackiererhandwerk ergeben die Studien zwar zum Teil positive Beschäftigungseffekte, doch die Untersuchungen haben einen Haken: Entweder sind die Rechenergebnisse statistisch nicht zuverlässig oder es liegen gravierende methodische Probleme vor.

Einzig für das Gebäudereinigerhandwerk lässt sich ein positiver Beschäftigungseffekt nachweisen. Dort hatte die Einführung des Mindestlohns 2007 zunächst negative Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze; nach der Erhöhung des Mindestlohns 2008 stieg sie aber – möglicherweise, weil Minijobs in sozialversicherungspflichtige Teilzeitstellen umgewandelt wurden.

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