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Auf die Forscher kommt es an

Südhessen und Oberbayern sind zwei Regionen, in denen Pharmaunternehmen schon lange erfolgreich produzieren und forschen. Doch seit einigen Jahren entwickeln sich die beiden Pharmacluster ganz unterschiedlich.

Kernaussagen in Kürze:
  • Südhessen und Oberbayern sind zwei Regionen, in denen Pharmaunternehmen schon lange erfolgreich produzieren und forschen, doch seit einigen Jahren entwickeln sich die beiden Pharmacluster ganz unterschiedlich.
  • Die südhessischen Pharmaunternehmen haben zwischen 2009 und 2011 mehr als 7 Prozent ihrer Arbeitsplätze abgebaut.
  • Die oberbayerischen Arzneimittelhersteller beschäftigten 2011 nahezu 8 Prozent mehr Mitarbeiter als noch zwei Jahre zuvor.
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Anzahl der Beschäftigten in der Pharmaindustrie.

In einigen deutschen Landstrichen ist die Pharmaindustrie besonders stark vertreten. Der Vorteil der regionalen Ballung liegt darin, dass Kooperationspartner praktisch vor der Haustür zu finden sind und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und der Wissenschaft leichter zu organisieren ist. Doch nur dicht beieinander zu sitzen, sichert keinen Erfolg – das zeigt ein Vergleich der beiden Pharmacluster:

Südhessen. In und um Frankfurt werden seit über 100 Jahren Medikamente produziert und Wirkstoffe erforscht. Im Jahr 2011 beschäftigte die Pharmaindustrie dort fast 14.000 Mitarbeiter (Grafik). Damit war jeder 15. Industriebeschäftigte in einem Pharmaunternehmen angestellt, diese Quote ist fast viermal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Doch zuletzt ist die regionale Bedeutung der Branche gesunken.

Die südhessischen Pharmaunternehmen haben zwischen 2009 und 2011 mehr als 7 Prozent ihrer Arbeitsplätze abgebaut. Im Bundesdurchschnitt sank die Pharmabeschäftigung dagegen nur um knapp 3 Prozent.

Oberbayern. Die Region ist mit nicht ganz 5.000 Beschäftigten zwar ein recht kleiner Pharmastandort – der aber befindet sich seit 2009 im Aufwind.

Die oberbayerischen Arzneimittelhersteller beschäftigten 2011 nahezu 8 Prozent mehr Mitarbeiter als noch zwei Jahre zuvor.

Dass die Oberbayern sich seit einigen Jahren besser positionieren können als die Südhessen, hat verschiedene Ursachen:

  1. Zulieferer. Pharmazeutische Unternehmen brauchen eine stabile Entwicklung ihrer Zulieferer, etwa der Chemiebranche. Gleichzeitig gewährleistet ein starker Maschinen- und Anlagenbau in der Region eine kontinuierliche Produktion. Oberbayern hatte hier zuletzt die Nase leicht vorn.
  2. Netzwerke. Die Zukunft der Pharmabranche hängt auch von ihrer Vernetzung mit anderen hochinnovativen Branchen wie der Biotechnologie ab. Auf diesem Gebiet nehmen sich die beiden Kontrahenten nichts: Während die oberbayerische Pharmaindustrie mit der Biotechbranche vor Ort sehr gut vernetzt ist, gibt es in Südhessen vermehrt Ini­tiativen zur Stärkung der Gesundheitsregion und der Zusammenarbeit von Chemie und Pharma.
  3. Arbeitsmarkt. In beiden Bundesländern profitiert die Pharmaindustrie von einem guten Angebot an Medizinern und Wissenschaftlern. Gleichzeitig ist die pharmazeutische Produktion und Forschung aber auch auf Ingenieure und Techniker angewiesen. Deren Anzahl stieg in Hessen von 2005 bis 2010 lediglich um 1,5 Prozent. In Bayern war das Beschäftigtenplus im selben Zeitraum hingegen viermal so hoch.

Jasmina KirchhoffWissensbasis und regionale Agglomeration – Zwei Pharmacluster im VergleichIW-Trends 4/2012

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