Ausbildungs- und Studienanfänger Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Auf dem Bildungstrip

Der Nachwuchs ist so bildungshungrig wie noch nie: In Deutschland beginnen immer mehr junge Menschen direkt nach dem Schulabschluss eine Berufsausbildung oder strömen in die Hörsäle. Gerade die Hochschulen üben eine besonders starke Anziehungskraft aus - seit 2005 hat sich die Zahl der Studienanfänger nahezu verdoppelt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Nachwuchs ist so bildungshungrig wie noch nie.
  • Im Jahr 2011 nahmen annähernd 16 Prozent mehr junge Menschen ein Studium auf als im Jahr zuvor, die Zahl der Azubis stieg immerhin um rund 2 Prozent.
  • Im Februar waren in Deutschland nur rund 293.000 Jugendliche ohne Arbeit, also 6,3 Prozent.
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Pauken, büffeln, memorieren: Die Jugend in Deutschland scheint das nicht zu schrecken, wie die zweite, Anfang März erschienene „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ des Statistischen Bundesamts zeigt (Grafik):

Im Jahr 2011 nahmen annähernd 16 Prozent mehr junge Menschen ein Studium auf als im Jahr zuvor, die Zahl der Azubis stieg immerhin um rund 2 Prozent.

Insgesamt begannen im vergangenen Jahr fast 520.000 junge Männer und Frauen ein Studium – so viele Erstsemester drängelten sich noch nie an den Universitäten und Fachhochschulen. Ein Jahr zuvor gab es annähernd 440.000 Studienanfänger, 2005 waren es sogar nur 300.000, die an eine Alma Mater strebten.

Besonders groß ist derzeit das Interesse an den Ingenieurwissenschaften: In diesen Studiengang schrieben sich 2011 fast ein Viertel mehr Studenten ein als im Vorjahr. Auch Mathematik und Naturwissenschaften sind gefragt – hier gab es insgesamt gut ein Fünftel mehr Studienanfänger. Diese Entwicklung dürfte insbesondere jene Arbeitgeber in Deutschland freuen, die aktuell mit dem größten Fachkräfteengpass, dem Ingenieurmangel, zu kämpfen haben.

Für die meisten Schulabsolventen bildet jedoch die Berufsausbildung nach wie vor die Basis für den Einstieg ins Arbeitsleben: Rund 740.000 junge Leute begannen 2011 eine duale oder vollzeitschulische Berufsausbildung, das waren fast 2 Prozent mehr als 2010.

Doch wie kommt es eigentlich trotz des demografischen Wandels – also trotz des Geburtenrückgangs – zu einem solchen Ansturm auf die Ausbildungs- und Studienplätze? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. In Bayern und Niedersachsen haben durch die Einführung der achtjährigen Gymnasialzeit 2011 zwei Abiturientenjahrgänge die Schulen gleichzeitig verlassen.
  1. Die Aussetzung von Wehrpflicht und Zivildienst sorgte dafür, dass mehr junge Männer als sonst direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung beginnen oder ein Studium aufnehmen konnten.
  1. Die Zahl der Schulabgänger, die zunächst eine Berufsvorbereitung durchlaufen, sinkt rapide: Im Jahr 2011 wurden nur noch knapp 300.000 Jungen und Mädchen durch eine Integrationsmaßnahme fit gemacht für eine Ausbildung oder einen nachträglichen Schulabschluss – 2005 waren es noch mehr als 450.000. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass die Unternehmen ihre Ausbildungsplätze zunehmend auch mit leistungsschwächeren Bewerbern besetzen. Um auch diesen Azubis einen Berufsabschluss zu ermöglichen, bietet inzwischen rund jedes dritte ausbildende Unternehmen zumindest für einen Teil seiner Lehrlinge Nachhilfe oder Stützunterricht an (vgl. iwd 22/2011).

Auch im internationalen Vergleich steht die Jugend in Deutschland gut da. Während die meisten 15- bis 18-Jährigen noch zur Schule gehen, dominiert bei den 19- bis 20-Jährigen die Berufsausbildung. Die meisten jungen Leute ab 21 Jahren gehen bereits einer Erwerbstätigkeit nach, mit 28 Jahren sind dann mehr als zwei Drittel berufstätig. Dementsprechend niedrig ist die Jugendarbeitslosigkeit:

Im Februar waren in Deutschland nur rund 293.000 Jugendliche ohne Arbeit, also 6,3 Prozent.

Das ist europaweit die niedrigste Jugendarbeitslosenquote. In Frankreich sucht derzeit jeder vierte Jugendliche einen Job, in Spanien sogar fast jeder zweite.

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