Privathochschulen Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Attraktive Alternative

Die Zahl der Studenten, die in Deutschland an einer privaten Hochschule eingeschrieben sind, hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht – und das trotz Studiengebühren. Eine Attraktion sind die flexiblen, berufsbegleitenden Angebote. Bereits jeder zweite Master-Studiengang an den Privathochschulen lässt sich neben dem Beruf absolvieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der Studenten, die in Deutschland an einer privaten Hochschule eingeschrieben sind, hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht – und das trotz Studiengebühren.
  • Private Hochschulen in Deutschland bilden vor allem Juristen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler aus
  • Im vergangenen Wintersemester studierten in Deutschland fast 166.000 Männer und Frauen an einer Privathochschule, zehn Jahre zuvor waren es gerade mal 57.000.
Zur detaillierten Fassung

Es gibt viele Gründe, um an einer privaten Hochschule zu studieren: weil der Numerus clausus in Medizin nicht ganz so hoch ist wie an einer staatlichen Uni, weil die Privat­hochschulen exzellente Kontakte zur Wirtschaft pflegen und damit die eigenen Karrierechancen steigen oder schlicht deshalb, weil nur dort der gewünschte Master-Studiengang berufsbegleitend angeboten wird.

Vor allem die Ansprache von Zielgruppen, die von den staatlichen Hochschulen nur unzureichend berücksichtigt werden, beschert den Privathochschulen in Deutschland Jahr für Jahr steigende Studentenzahlen. Dazu zählt zum Beispiel die Möglichkeit, Beruf und Studium miteinander zu verbinden: Gut ein Drittel der Bachelor-Studiengänge und fast die Hälfte der Master-Studiengänge an privaten Hochschulen lassen sich berufsbegleitend studieren, an den staatlichen Hochschulen ist dies nur bei knapp 11 bzw. 16 Prozent der jeweiligen Studiengänge möglich (Grafik).

Auch bezüglich des Fächerspektrums gibt es große Unterschiede zwischen staatlichen und privaten Hochschulen (Tabelle):

Private Hochschulen in Deutschland bilden vor allem Juristen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler aus, rund 62 Prozent der Studenten im Wintersemester 2012/13 waren in diesen Fächern immatrikuliert.

Das hat vor allem Kostengründe, denn die Ausstattung von Studienplätzen in den Natur- und Technikwissenschaften ist wesentlich teurer als in den Wirtschaft- oder Rechtswissenschaften.

Deutlich zugelegt haben die Studentenzahlen in der Humanmedizin und in den Gesundheitswissenschaften. Während im Wintersemester 2002/03 erst 0,5 Prozent der Studenten an Privathochschulen in diesen Fächern eingeschrieben waren, betrug der Anteil im Wintersemester 2012/13 schon annähernd 13 Prozent. Ursache dafür ist die Akademisierung der Pflegeberufe sowie das steigende Angebot von Studiengängen, die Medizin und Management miteinander verknüpfen.

Auch wenn im Vergleich zu den staatlichen Hochschulen immer noch recht wenige Menschen in der Bundesrepublik an privaten Hochschulen studieren – der Andrang ist beachtlich (Grafik):

Im vergangenen Wintersemester studierten in Deutschland fast 166.000 Männer und Frauen an einer Privathochschule, zehn Jahre zuvor waren es gerade mal 57.000.

Die privaten Hochschulen kommen also auf ein Plus von 191 Prozent. Zum Vergleich: Die staatlichen Hochschulen steigerten ihre Studentenzahlen im selben Zeitraum um lediglich 24 Prozent – allerdings auf beachtliche 2,3 Millionen. Damit studierten im vergangenen Wintersemester 93 Prozent aller Hochschüler an einer staatlichen Hochschule, 7 Prozent hatten sich für eine private Hochschule entschieden.

Angetrieben wird der Run auf die Privathochschulen eindeutig von den Fachhochschulen: Zuletzt studierten 83 Prozent aller Privathochschulstudenten an einer FH und nur 14 Prozent an einer Uni. Insgesamt waren damit im vergangenen Wintersemester 17 Prozent aller Fachhochschüler an einer privaten FH eingeschrieben, bei den Uni-Studenten beträgt der Anteil der Kommilitonen an Privatinstitutionen seit zehn Jahren lediglich 1 Prozent.

Weil es keine aktuelleren Daten gibt, muss man für den finanziellen Vergleich der beiden Hochschul­systeme auf Daten von 2011 zurückgreifen. Damals erhoben allerdings auch noch einige staatliche Hochschulen Studiengebühren – eine Praxis, die an den Privathochschulen gang und gäbe ist (Grafik):

Die staatlichen Hochschulen bestritten 2011 lediglich 4 Prozent ihrer Einnahmen aus Studienbeiträgen, bei den privaten Hochschulen machten sie mehr als ein Drittel aus.

Bei der öffentlichen Finanzierung sind die Privathochschulen hingegen benachteiligt. Ihre Einnahmesituation würde sich deutlich verbessern, wenn nicht nur einige, sondern alle Bundesländer die Mittel aus dem Hochschulpakt auch an die privaten Hochschulen weiterreichen würden.

Weil sich die privaten Hochschulen am Markt bewährt und unter Beweis gestellt haben, dass sie wissenschaftlichen Standards entsprechen, plädiert der Wissenschaftsrat für eine Öffnung der Finanzierungsmöglichkeiten: So sollten private Hochschulen in gemeinnütziger Trägerschaft gleichberechtigt mit den staatlichen Hochschulen am Wettbewerb um die Mittel in Lehre und Forschung teilnehmen dürfen. Auch falls eines Tages Hochschulen stärker nach ihren Leistungen in der Lehre finanziert werden – etwa über einen Absolventenbonus – sollten laut dem Wissenschaftsrat die gemeinnützigen Privathochschulen von dieser Regelung genauso profitieren können wie die staatlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de