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„Are you better off?“

Am 6. November 2012 wird in den USA gewählt. Ob der Demokrat Barack Obama noch einmal zum Zug kommt, oder ob sein Herausforderer, der Republikaner Mitt Romney, die Wahl gewinnt, hängt entscheidend davon ab, wie die Amerikaner die Frage beantworten, die vor mehr als 30 Jahren der damalige US-Präsidentschaftskandidat Ronald Reagan stellte: „Are you better off?“ – „Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren?“.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die US-amerikanische Volkswirtschaft ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als15.000 Milliarden Dollar die größte der Welt.
  • Mit einem Militärbudget von mehr als 711 Milliarden Dollar sind die USA Weltmeister im Waffengeschäft.
  • Seit elf Jahren weist der Bundeshaushalt der USA ein Defizit auf.
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Weil damals viele Wähler diese Frage verneinten, wählten sie Reagan zum neuen Präsidenten. Die Grafiken zeigen, wie die US-Wirtschaft heute, vier Jahre nach der Weltfinanzkrise und vier Jahre nach Obamas Amtsantritt, aufgestellt ist.

Die US-amerikanische Volkswirtschaft ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 15.000 Milliarden Dollar die größte der Welt. Obwohl das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr aller Voraussicht nach um rund 2 Prozent zulegen dürfte, läuft der Konjunkturmotor nicht so rund, wie sich die Amerikaner das wünschen. Zwar boomt der US-Automarkt, doch es werden kaum neue Unternehmen gegründet. Auch die rund 800 Milliarden Dollar, die Obama im Februar 2009 in Konjunkturprogramme zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise steckte, haben nur bedingt gewirkt. So ist die Armut unter der Bevölkerung deutlich größer geworden: Seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 ist allein die Zahl der „Food Stamps“-Bezieher, also der Empfänger von Lebensmittelmarken, um mehr als 50 Prozent auf nunmehr annähernd 47 Millionen US-Bürger gestiegen.

Seit elf Jahren weist der Haushalt der USA ein Defizit auf. Derzeit beläuft sich das Minus auf 1.100 Milliarden Dollar. Um Straßen zu bauen, Schulen zu unterhalten oder Arbeitslosengeld zu zahlen, mussten und müssen die Vereinigten Staaten Jahr für Jahr neue Kredite aufnehmen. Dies hat den Schuldenberg der USA anschwellen lassen – auf gigantische 16 Billionen Dollar, das ist Weltrekord. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Joseph Stiglitz lässt sich das Staatsdefizit zu einem erheblichen Teil auf die Kriege in Afghanistan und im Irak zurückführen. Für ihn sind die höheren Verteidigungsausgaben und die Steuersenkungen, die der ehemalige Präsident George W. Bush einführte, ein Hauptgrund für Amerikas Schulden.

Als das Arbeitsministerium in Washington im September meldete, die Arbeitslosenquote sei auf 7,8 Prozent gesunken, konnte Barack Obama aufatmen: Zum ersten Mal innerhalb seiner Amtszeit hatte die Quote die symbolische Marke von 8 Prozent unterschritten. Das ist wichtig, denn seit vielen Jahrzehnten hat noch nie ein US-Präsident eine Wiederwahl gewonnen, wenn mehr als 8 Prozent der Amerikaner keinen Job hatten. Doch der Arbeitsmarkt lässt sich auch anders darstellen: Zwar hat die Gesamtbeschäftigung fast wieder den Wert erreicht, den sie bei Obamas Amtsantritt Anfang 2009 aufwies, doch die Zahl der Arbeitslosen ist im selben Zeitraum deutlich nach oben geklettert. Vor der Krise waren knapp 9 Millionen Amerikaner als arbeitslos registriert, heute sind es mehr als 12 Millionen. Zudem gibt es über 6 Millionen Menschen ohne Arbeit, die nicht mehr aktiv nach einer neuen Stelle suchen und deshalb auch nicht in der Statistik auftauchen.

Ob Coca-Cola, iPhones oder Boeing-Flugzeuge: Die Welt liebt amerikanische Produkte. Seit 2010 hat der US-Export kräftig zugelegt – und zwar nicht nur bei Hightech-Produkten, sondern auch bei Agrar- und Energierohstoffen. Im Jahr 2010 kletterte der reale Export von Waren und Dienstleistungen um rund 11 Prozent, 2011 nahmen die Ausfuhren immerhin noch um annähernd 7 Prozent zu und summierten sich auf einen Wert von 2,1 Billionen Dollar. Auch die Einfuhren wuchsen: Im Jahr 2011 stiegen die realen Importe um knapp 5 Prozent, so dass die USA insgesamt Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als 2,6 Billionen Dollar einführten. Dies bescherte den Vereinigten Staaten ein Handelsbilanzdefizit von 579 Milliarden Dollar, welches aber von den Rekordhöhen aus der Zeit vor der Finanzkrise immer noch weit entfernt ist – damals überstiegen die Einfuhren die Ausfuhren um mehr als 750 Milliarden Dollar.

Mit einem Militärbudget von mehr als 711 Milliarden Dollar sind die USA Weltmeister im Waffenschmieden. Auf die Vereinigten Staaten entfallen damit 41 Prozent der globalen Militärausgaben, wie das Stockholmer Friedenforschungsinstitut SIPRI berechnet hat. Amerika hat seinen Militäretat seit den Anschlägen vom 11. September 2011 kontinuierlich erhöht, vor allem, um die Kriege in Afghanistan und im Irak zu bestreiten. Mittlerweile wendet Washington fast 5 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Armee und militärische Interventionen aus. In Deutschland beträgt der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt nur 1,4 Prozent.

Die Einspielergebnisse der weltweit beliebtesten Kassenschlager sind beachtlich, doch das meiste Geld verdienen die amerikanischen Produktionsfirmen längst nicht mehr mit Harry-Potter-Verfilmungen für die Großleinwand, sondern mit Fernsehfilmen und Lizenzen für Serien und Seifenopern. Außerdem gewinnt das Kinopublikum im Ausland zunehmend an Bedeutung, nachdem die Einspielergebnisse in Amerika seit dem Jahr 2000 kaum noch gestiegen sind. Brasilien, Russland und China erleben einen regelrechten Kino-Boom, wobei die Vorliebe für Hollywoodfilme zumindest in der Volksrepublik formal eingeschränkt wird, da dort nur 34 ausländische Produktionen pro Jahr gezeigt werden dürfen. Mittlerweile nehmen die Hollywood-Filmstudios mehr als zwei Drittel ihrer Einnahmen außerhalb Nordamerikas ein.

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