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Vertrauensarbeitszeit Lesezeit 2 Min.

Arbeitszeit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter

Beschäftigte, die Vertrauensarbeitszeit nutzen können, sind zufriedener mit ihrer Arbeitszeit als diejenigen, die andere Arbeitszeitmodelle haben. Die Sorge, selbstbestimmte Arbeitszeitgestaltung könnte zu zunehmender Erschöpfung der Beschäftigten führen, ist unbegründet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Annähernd 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland, die mindestens fünf Mitarbeiter beschäftigen, praktizieren Vertrauensarbeitszeit.
  • Beschäftigte, die ihre Arbeitszeiten mitgestalten können, sind zufriedener als diejenigen, die andere Arbeitszeitmodelle haben.
  • Wer einem Job mit Vertrauensarbeitszeit nachgeht, entwickelt zudem häufiger Ideen, um Probleme aus eigener Kraft zu lösen, und geht mit beruflichen Schwierigkeiten gelassener um.
Zur detaillierten Fassung

Statt Anwesenheitskontrolle mittels Stechuhr setzen Unternehmen vielerorts auf Handlungsspielräume ihrer Beschäftigten bei der Arbeitszeitgestaltung:

In Deutschland gaben im Jahr 2023 – dies sind die neuesten Zahlen – 58 Prozent der Unternehmen mit mindestens fünf Mitarbeitern an, Vertrauensarbeitszeit zu praktizieren.

Fünf Jahre zuvor bot dies mit 48 Prozent erst knapp die Hälfte der Unternehmen an. Angetrieben wurde die Ausweitung der Vertrauensarbeitszeit durch die Coronapandemie, da in dieser Zeit auch die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten deutlich ausgeweitet wurden. Zeit- und ortsflexibles Arbeiten wurde in vielen Firmen noch wichtiger und dafür braucht es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und ihren Beschäftigten.

Fast 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten in einem Arbeitszeitmodell mit Vertrauensarbeitszeit. Noch verbreiteter ist sie unter Beschäftigten, deren Tätigkeiten sehr komplex sind.

Doch was genau ist Vertrauensarbeitszeit? Im Folgenden wird darunter ein Arbeitszeitmodell verstanden, bei dem drei Bedingungen erfüllt sein müssen: Erstens haben Beschäftigte einen hohen Einfluss auf den Beginn und das Ende ihre Arbeitstage, zweitens gibt der Arbeitgeber weder feste Zeiten für den Arbeitsbeginn noch für das Arbeitsende vor und drittens erfassen die Beschäftigten ihre tägliche Arbeitszeit selbst oder sie wird gar nicht dokumentiert.

Das IW hat nun zu diesem Thema eine Befragung ausgewertet, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter fast 10.000 abhängig Beschäftigten durchgeführt hat. Das Ergebnis (Grafik):

Im Jahr 2023 arbeiteten in Deutschland annähernd 20 Prozent der Beschäftigten in einem Arbeitsmodell mit Vertrauensarbeitszeit.

So viel Prozent der Beschäftigten mit diesen Tätigkeiten in Deutschland arbeiteten im Jahr 2023 mit Vertrauensarbeitszeit Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Dabei ist Vertrauensarbeitszeit verbreiteter unter Beschäftigten, deren Tätigkeiten sehr komplex sind. So kann mehr als jeder vierte Spezialist und jeder dritte Experte mit hochkomplexen Tätigkeiten seine Arbeitszeit selbst gestalten, während dies nur auf knapp 12 Prozent der Beschäftigten, die einer fachlich ausgerichteten Tätigkeit nachgehen, zutrifft. Helferjobs gehen in der Regel nicht mit Vertrauensarbeitszeiten einher.

Das Anforderungsniveau der Tätigkeit entscheidet also darüber, wie wahrscheinlich die Möglichkeit für Vertrauensarbeitszeit ist. Zudem finden sich Vertrauensarbeitszeitmodelle vergleichsweise selten im Handwerk oder im öffentlichen Dienst. Beschäftigte mit Vertrauensarbeitszeit arbeiten dafür überproportional häufig in sonstigen Dienstleistungen, zu denen beispielsweise die Finanzdienstleistungen oder die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche gehören (Grafik).

So viel Prozent der Beschäftigten mit bzw. ohne Vertrauensarbeitszeit arbeiteten im Jahr 2023 in diesen Branchen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Vertrauensarbeitszeit macht zufriedener und kreativer

Beschäftigte mit Vertrauensarbeitszeit sind im Schnitt zufriedener mit ihrer Arbeitszeit und mit dem Zusammenspiel von Arbeits- und Privatleben als Beschäftigte, die keine Vertrauensarbeitszeit haben. Wer einem Job mit Vertrauensarbeitszeit nachgeht, entwickelt zudem häufiger Ideen, um Probleme aus eigener Kraft zu lösen, und geht mit beruflichen Schwierigkeiten gelassener um.

Obwohl mehr als 14 Prozent der Beschäftigten mit Vertrauensarbeitszeit länger als 48 Stunden je Woche arbeiten – unter den Beschäftigten ohne Vertrauensarbeitszeit sind es rund 9 Prozent –, kommen chronische Erschöpfungszustände sowie Überforderungsgefühle bei ihnen seltener vor als bei Erwerbstätigen mit anderen Arbeitszeitmodellen.

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