Arbeitslosengeld: Einheitliche Regeln hätten Vorteile
Ältere Arbeitslose haben in Deutschland länger Anspruch auf Arbeitslosengeld als jüngere Beschäftigte. Das kostet nicht nur Milliarden Euro, sondern kann auch die Jobchancen der Bezieher verschlechtern.
- In Deutschland erhalten Menschen, die arbeitslos werden, bis zu zwölf Monate finanzielle Unterstützung. Aber gibt es Ausnahmen: Arbeitslose Personen ab einem Alter von 50 Jahren haben länger Anspruch auf Arbeitslosengeld.
- Im Jahr 2024 bezogen knapp 85.000 Bundesbürger, die älter als 50 Jahre waren, länger als zwölf Monate Arbeitslosengeld. Die Zusatzkosten beliefen sich auf gut 2,3 Milliarden Euro.
- Eine einheitliche Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes hätte viele Vorteile: Sie ist gerecht, sie entlastet den Haushalt der Agentur für Arbeit und schafft Anreize für eine schnellere Rückkehr ins Arbeitsleben.
Wer länger Arbeitslosengeld bezieht, lässt sich bei der Arbeitssuche mehr Zeit – dieser Effekt ist in zahlreichen Studien empirisch belegt. Die Dauer der Arbeitslosigkeit verlängert sich, verbunden mit der steigenden Gefahr, in der Langzeitarbeitslosigkeit zu landen. Denn je länger jemand arbeitslos ist, umso veralteter sind seine beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten.
Auf der anderen Seite hat das Arbeitslosengeld eine soziale Schutzfunktion und bietet Arbeitslosen die Chance, einen den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Job zu finden. Eine gute Arbeitslosenversicherung wiegt beide Aspekte gegeneinander auf.
Eine einheitliche Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes hat viele Vorteile: Sie ist gerecht, sie entlastet den Haushalt der Agentur für Arbeit und schafft Anreize für eine schnellere Rückkehr ins Arbeitsleben.
In Deutschland erhalten Menschen, die arbeitslos werden, bis zu zwölf Monate finanzielle Unterstützung. Allerdings gibt es Ausnahmen: Arbeitslose Personen ab einem Alter von 50 Jahren haben Anspruch auf 15 Monate Arbeitslosengeld, ab 55 Jahren sind es 18 Monate und ab 58 Jahren sogar 24 Monate.
Für die Arbeitslosenversicherung entstehen durch diese Regelung erhebliche Kosten (Grafik):
Im Jahr 2024 bezogen knapp 85.000 Bundesbürger, die älter als 50 Jahre waren, länger als zwölf Monate Arbeitslosengeld. Die Kosten für die Bezugsdauer jenseits von zwölf Monaten beliefen sich auf gut 2,3 Milliarden Euro.
Diese Summe ließe sich mit einer einheitlichen Bezugsdauer von zwölf Monaten für alle im Haushalt der Bundesagentur für Arbeit (BA) einsparen.
Dem stehen sowohl mögliche Mehrausgaben als auch Mehreinnahmen gegenüber. Im ungünstigsten (und unwahrscheinlichen) Fall, dass alle Arbeitslosengeldempfänger ins Bürgergeld rutschen, hätten Bund und Kommunen mehr Kosten zu schultern. Rechnet man diese gegen die Einsparungen der BA auf, blieben netto 400 Millionen Euro Ersparnis übrig.
Im besten Szenario finden alle Arbeitslosengeldempfänger innerhalb von zwölf Monaten eine neue Stelle und der Staat sowie die Sozialversicherungen nehmen durch Steuern und Abgaben der nun Beschäftigten mehr Geld ein. Eine weitere Option ist, dass Betroffene, sofern möglich, in den vorgezogenen Ruhestand gehen. Das würde zusätzliche Kosten für die Rentenversicherung bedeuten. Allerdings müssen Frührentner meist Abschläge auf ihre Rente in Kauf nehmen, was die Kosten etwas senkt.
Unterm Strich hat eine einheitliche Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes viele Vorteile: Sie ist gerecht, sie entlastet den Haushalt der Agentur für Arbeit und schafft Anreize für eine schnellere Rückkehr ins Arbeitsleben. Zudem würden Brücken in den Vorruhestand, wie sie die bisherige Regel schafft, reduziert – ein wichtiger Faktor angesichts des demografischen Wandels.