Arbeitsklima steht in Krisen unter Druck
Wenn sich die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens verschlechtert, wirkt sich das offenbar auch auf die Zusammenarbeit der Beschäftigten aus. Vor allem das Miteinander zwischen der Belegschaft und den Führungskräften wird in Krisenzeiten auf die Probe gestellt.
- Die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland wirkt sich auch auf das Klima in den Unternehmen aus.
- Während die Mitarbeiter von Firmen, die wirtschaftlich gut dastehen, das Klima an ihrem Arbeitsplatz im Schnitt mit der Note 2,6 bewerten, vergeben Beschäftigte von Firmen im Krisenmodus nur eine 3,0.
- Vor allem die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Führungskraft leidet, wenn ein Betrieb in der Krise steckt.
Die anhaltende Schwächephase der deutschen Wirtschaft schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder – im August 2025 überstieg die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit zehn Jahren wieder die Drei-Millionen-Marke. Die meisten Beschäftigten sorgen sich zwar nicht unmittelbar um ihren Job, spüren aber die Krise, weil beispielsweise erfolgsabhängige Vergütungen wegfallen oder der Arbeitsdruck steigt.
Dies bleibt nicht ohne Folgen für das Klima im Unternehmen, wie das IW im Rahmen seiner Beschäftigtenbefragung im Frühjahr 2025 herausgefunden hat (Grafik):
Während die Mitarbeiter von Unternehmen, die wirtschaftlich gut dastehen, das Klima an ihrem Arbeitsplatz im Schnitt mit der Note 2,6 bewerten, vergeben Beschäftigte von Firmen im Krisenmodus nur eine 3,0.
Lediglich gut ein Drittel der Belegschaft in krisengeplagten Unternehmen empfindet das Arbeitsklima als gut oder sehr gut – gegenüber mehr als der Hälfte in Firmen, deren Geschäfte rundlaufen.
Vor allem die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Führungskraft leidet, wenn ein Betrieb in der Krise steckt – rund 16 Prozent der Beschäftigten dieser Firmen bewerten die Kooperation mit ihrem Vorgesetzten als mangelhaft oder ungenügend. In wirtschaftlich gut aufgestellten Betrieben ist der Anteil mit 7,5 Prozent weniger als halb so hoch. Ein Grund für diesen Unterschied könnte sein, dass Führungskräfte ihren Fokus in Krisenzeiten stärker auf Kostenmanagement und die Kontrolle von Erfolgskennzahlen legen, während Fragen der Personalentwicklung oder das mitarbeiterorientierte Führen in den Hintergrund rücken.
Steckt ein Unternehmen in der Krise, wirkt sich das auch spürbar auf das Arbeitsklima aus – vor allem auf die Zusammenarbeit der Beschäftigten mit ihrer jeweiligen Führungskraft.
Allerdings wird auch der Ton unter Kollegen gleicher Hierarchieebenen in Krisenphasen offenbar rauer. Zwar geben immer noch fast sechs von zehn Beschäftigten in den betreffenden Unternehmen diesem Aspekt des Arbeitsklimas die Note „gut“ oder „sehr gut“ – in florierenden Firmen sind es jedoch mehr als sieben von zehn Mitarbeitern. Möglicherweise treten Interessenkonflikte und interne Verteilungskämpfe eher zutage, wenn gemeinsame Erfolge ausbleiben.
Unterm Strich ist das Arbeitsklima aber auch in von der Konjunkturflaute betroffenen Firmen recht positiv. Krisen können die Beschäftigten sogar stärker zusammenrücken lassen – was wiederum den Unternehmen hilft, die schlechten Zeiten durchzustehen.