Einkommensarmut Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Arbeit ist das A und O

In den nächsten Monaten wird die Armutsgefährdungsquote durch den Zustrom von Flüchtlingen steigen. Wenn es aber gelingt, mittel- bis langfristig wenigstens jeden zweiten Flüchtling in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird die Quote wieder ihr Normalmaß erreichen.

Kernaussagen in Kürze:
  • In den nächsten Monaten wird die Armutsgefährdungsquote durch die Flüchtlinge steigen.
  • Die große Mehrheit der Flüchtlinge wird zunächst von staatlichen Transferleistungen leben.
  • Sollten rund 800.000 Flüchtlinge in Deutschland von Transferleistungen leben, steigt die Armutsquote von 15,4 auf 16,1 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland wird für dieses Jahr auf rund 800.000 bis 900.000 Menschen geschätzt, und auch im kommenden Jahr werden die Flüchtlingsströme voraussichtlich kaum abreißen.

Diese Menschen werden es zunächst schwer haben, aus eigener Kraft ein Einkommen zu erwirtschaften. Bevor Flüchtlinge in Deutschland arbeiten dürfen, müssen sie in der Regel ihr Asylverfahren durchlaufen und eine Aufenthaltsberechtigung bekommen, also einen Aufenthaltstitel.

Ausnahmen sind zwar nach drei Monaten möglich – etwa wenn ein Arbeitgeber keinen einheimischen Mitarbeiter findet oder auch in Mangelberufen. Das aber wird von der Arbeitsagentur streng geprüft. Denn im Rahmen dieser Vorrangprüfung schlägt das Jobcenter der Firma sechs Wochen lang Bewerber vor und der Arbeitgeber muss es gut begründen, wenn er einen Kandidaten für nicht geeignet hält. Ähnlich streng sind die Regeln, wenn Flüchtlinge hierzulande nur geduldet werden.

Insofern wird die große Mehrheit der Flüchtlinge zunächst von staatlichen Transferleistungen leben. Die Menschen werden in den allermeisten Fällen die sogenannte Armutsschwelle – 60 Prozent des mittleren Einkommens – nicht überspringen.

Welche Folgen das für die offizielle Armutsquote hat, hat das IW Köln ausgerechnet (Grafik):

  1. Sollten rund 800.000 Flüchtlinge in Deutschland von Transferleis­tungen leben, steigt die Armutsquote von 15,4 auf 16,1 Prozent.
  2. Wenn der Flüchtlingsstrom nicht abreißt und insgesamt rund 1,6 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kommen und hier versorgt werden müssen, wird sich die Armutsgefährdungsquote auf 16,9 Prozent erhöhen.
  3. Gelingt es aber, auch nur einem Teil der Flüchtlinge zu einem Job zu verhelfen, fällt der Zuwachs der Armutsquote weit geringer aus.

Im besten Fall – bei 800.000 Flüchtlingen, von denen jeder zweite ein monatliches Einkommen zwischen 900 und 1.500 Euro hat – liegt die Armutsquote lediglich um 0,2 Prozentpunkte höher als heute.

Schon diese Beispiele zeigen, wie wichtig es für – einheimische wie ausländische – Transferempfänger ist, einen Job zu bekommen. Letztlich lässt sich nur so Armut wirksam vermeiden.

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