Anteil der freien Erfinderinnen in Deutschland wächst
Freie Erfinder verlieren in der deutschen Innovationslandschaft zunehmend an Bedeutung. Dass ihre Rolle nicht noch kleiner ausfällt, ist dem steigenden Frauenanteil unter ihnen zu verdanken.
- Die Zahl der Patentanmeldungen freier Erfinder mit Wohnsitz in Deutschland ist zwischen 2000 und 2022 um drei Viertel gesunken.
- Dass die Patentanteile der freien Erfinder nicht noch stärker zurückgegangen sind, ist den Frauen unter ihnen zu verdanken: Zwischen 2000 und 2022 ist der Frauenanteil an allen freien Patentanmeldungen in Deutschland von 6,4 auf 9,9 Prozent gestiegen.
- Der Löwenanteil aller Patente in Deutschland kommt mittlerweile von Unternehmen, Universitäten und Hochschulen, die in eigenen Forschungsabteilungen mit deutlich größeren Teams und viel höheren finanziellen Mitteln arbeiten.
Was haben der Klettverschluss, Spreizdübel und Schraubstollen für Fußballschuhe gemeinsam? Sie alle sind Innovationen von freien Erfindern. Das sind Privatpersonen, die in Eigenregie und nicht in einem Anstellungsverhältnis Neues entwickeln und gegebenenfalls Patente anmelden.
Allerdings bringen diese Garagentüftler seit Jahren immer weniger Innovationen hervor:
Die Zahl der Patentanmeldungen freier Erfinder mit Wohnsitz in Deutschland ist zwischen 2000 und 2022 um drei Viertel gesunken.
Zur Jahrtausendwende entfiel rund jede fünfte Patentanmeldung aus Deutschland auf solche Privatpersonen, 2022 war es nur noch knapp jede zwanzigste.
Diese Entwicklung wird sich in Zukunft kaum umkehren. Der Grund: Der technologische Fortschritt macht es für Einzelpersonen immer schwieriger, etwas wirklich Neues zu erfinden. Die Komplexität der Innovationen heutzutage ist in der Regel so groß, dass sie die Möglichkeiten einer Person allein übersteigt – der Löwenanteil aller Patente in Deutschland kommt deshalb mittlerweile von Unternehmen, Universitäten und Hochschulen, die in eigenen Forschungsabteilungen mit deutlich größeren Teams und viel höheren finanziellen Mitteln arbeiten.
Zwischen 2000 und 2022 ist der Frauenanteil an allen freien Patentanmeldungen in Deutschland von 6,4 auf 9,9 Prozent gestiegen.
Dass die Patentanteile der freien Erfinder nicht noch stärker zurückgegangen sind, ist den Frauen unter ihnen zu verdanken. Sie haben seit jeher dazu beigetragen, revolutionäre Ideen jenseits der unternehmerischen Forschungslabors zu verwirklichen und den Menschen den Alltag zu erleichtern – die Funksteuerung für Torpedos, der Kaffeefilter oder der Geschirrspüler sind nur einige Beispiele für den Erfindungsreichtum der Daniela Düsentriebs. In den vergangenen Jahren ist ihr Beitrag sogar deutlich größer geworden (Grafik):
Zwischen 2000 und 2022 ist der Frauenanteil an allen freien Patentanmeldungen in Deutschland von 6,4 auf 9,9 Prozent gestiegen.
Die rückläufige Entwicklung an Erfindungen aus Privathaushalten können aber auch sie nicht aufhalten. Für all diese Tüftler kommt erschwerend hinzu, dass die öffentliche Hand freie Erfinder immer weniger fördert: Während insbesondere technologische Unternehmensneugründungen und Forschung relativ gute Chancen auf staatliche Zuschüsse haben, geht der Fördergeldbeutel an den Privatpersonen meist vorbei. Dabei wäre es nach wie vor sinnvoll, ihnen durch Förderprogramme wie Erfinderberatungen unter die Arme zu greifen, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen.