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Anschluss gesucht

Seit 2009 bemüht sich das Land offiziell um den Beitritt zur Europäischen Union – die bietet Albanien zwar eine Beitrittsperspektive, doch verhandelt wird noch längst nicht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bereits 2009 hat Albanien einen Antrag auf die EU-Mitgliedschaft gestellt.
  • Albanien zählt zu den ärmsten Westbalkanstaaten, denen die EU eine Beitrittsperspektive bietet.
  • Der durchschnittliche Monatslohn in Albanien beträgt umgerechnet rund 380 Euro.
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Als sich die albanische Nationalmannschaft im Oktober mit einem 3:0 gegen Armenien erstmalig für eine Fußballeuropameisterschaft qualifizierte, war der Jubel in Tirana groß. Doch Albanien will nicht nur fußballerisch, sondern auch politisch an Europa heranrücken: Bereits im April 2009 hat die Regierung einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Doch erst im Juni 2014 kürte der Europäische Rat das Land zum Beitrittskandidaten.

Bisher wurden auch noch keine Verhandlungen aufgenommen. Die EU unterstützt allerdings den Reformprozess in Albanien finanziell. Zwischen 2014 und 2020 sind dafür 650 Millionen Euro aus dem Instrument „Heranführungshilfe“ vorgesehen. Zusätzliche Gelder gibt es aus Deutschland: Seit 1988 sind mehr als 800 Millionen Euro Entwicklungshilfe nach Albanien geflossen.

Nach wie vor ist das 2,8 Millionen Einwohner zählende Albanien aber einer der ärmsten jener Westbalkanstaaten, denen die EU eine Beitrittsperspektive bietet (Grafik):

Das albanische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt nur knapp ein Drittel des EU-28-Durchschnitts.

Dementsprechend gering sind die Verdienstmöglichkeiten in Albanien: Der durchschnittliche Monatslohn beträgt umgerechnet etwa 380 Euro.

Fast 43 Prozent der albanischen Beschäftigten arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft oder in der Fischerei. Knapp ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung wird in diesen Sektoren erwirtschaftet. Auf die Bauwirtschaft entfallen 11 Prozent, auf die Industrie einschließlich Bergbau sowie Energie- und Wasserversorgung gut 14 Prozent, auf Dienstleistungen rund 52 Prozent.

Problematisch ist die hohe Arbeitslosigkeit in Albanien: Sie liegt offiziell bei rund 17 Prozent, die Quote der Langzeitarbeitslosen beträgt mehr als 11 Prozent. Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit mit 39 Prozent.

Das Leistungsbilanzdefizit – aktuell beträgt es rund 13 Prozent der Wirtschaftsleistung – geht vor allem auf das Defizit im Warenverkehr zurück: Albanien importierte 2014 Waren im Wert von rund 3 Milliarden Euro, exportierte aber nur Güter für 925 Millionen Euro.

Finanziert wurden die Einfuhren vor allem durch ausländische Direktinvestitionen, die größtenteils aus Griechenland, Kanada, Österreich und den Niederlanden stammten, sowie durch Überschüsse bei den Dienstleistungsexporten und durch Heimatüberweisungen albanischer Arbeitnehmer im Ausland (vgl. iwd 42/2015). Letztere sind jedoch seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise rückläufig.

Um die fragilen staatlichen Finanzen in den Griff zu bekommen, empfiehlt der Internationale Währungsfonds Albanien, den Haushalt zu konsolidieren, die Einnahmen zu steigern und die Energiesubventionen zu drosseln.

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