Studienabbrecher als Azubis Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Ambivalente Erfahrungen

Im Jahr 2015 sind 41.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben. Viele Firmen versuchen deshalb, Studienabbrecher für die duale Ausbildung zu gewinnen – und machen dabei zwiespältige Erfahrungen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Jeder dritte Betrieb verfügt über Erfahrungen mit der Ausbildung von Studienabbrechern.
  • Die Mehrheit der Betriebe kann kaum beurteilen, was die Studienabbrecher wirklich können.
  • Studienabbrecher lassen sich aus Sicht jedes zweiten Betriebs ohne Probleme in eine Gruppe anderer Azubis integrieren.
Zur detaillierten Fassung

Nach einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung verfügt knapp jeder dritte Betrieb über Erfahrungen mit der Ausbildung von Studienabbrechern. Besonders häufig wurde in Berufen ausgebildet, für die eine vergleichsweise hohe schulische Vorqualifikation nötig ist. Zu diesen Berufen gehören zum Beispiel der Automobilkaufmann, der Industriekaufmann, der Elektroniker und der Mechatroniker.

Zwei Drittel der befragten Betriebe haben bislang keine Ausbildungsverträge mit Studienabbrechern geschlossen. Allerdings können sich drei Viertel der unerfahrenen Betriebe vorstellen, Studienabbrecher in den von ihnen angebotenen Lehrberufen auszubilden. Für gut ein Drittel dieser Betriebe sind jedoch primär solche Studienabbrecher interessant, deren früherer Studiengang Schnittstellen zum späteren Ausbildungsberuf aufweist.

Weil viele Lehrstellen aufgrund der demografischen Entwicklung inzwischen unbesetzt bleiben, gehen die Betriebe pragmatisch vor. Zwei Drittel der erfahrenen Betriebe und drei Viertel der aufgeschlossenen Betriebe haben nicht zuletzt deshalb Interesse an Studienabbrechern.

Allerdings sieht sich die überwiegende Zahl der erfahrenen und aufgeschlossenen Betriebe auch in der Pflicht, Studienabbrechern eine zweite Chance zu geben.

Studienabbrecher und duale Berufsausbildung

Weil Studienabbrecher sich gegenüber beruflichen Bildungsgängen oft reserviert zeigen, ist es für die Unternehmen gar nicht so einfach, die verhinderten Akademiker für eine Lehre zu gewinnen. Die Hälfte der Betriebe mit Erfahrungen in der Ausbildung von Studienabbrechern stuft diese Aufgabe als schwierig ein. Wenn der Kontakt aber einmal hergestellt ist, dann sind vermeintliche Probleme oft gar keine. So schätzen 38 Prozent der erfahrenen Betriebe die Überzeugungsarbeit, die sie bei Studienabbrechern in Sachen duale Ausbildung zu leisten haben, als leicht ein und nur 22 Prozent halten sie für eher schwierig. Der Rest ist sich in diesem Punkt nicht sicher.

Anrechnung von Studieninhalten als Blackbox

Für viele Unternehmen werfen die Qualifikationen der Studienabbrecher zahlreiche Fragen auf. Die Mehrheit der Betriebe kann zum Beispiel kaum beurteilen, was die Studienabbrecher wirklich können oder welche Studienleistungen mit welchen Qualifikationen verbunden sind. Auch welche Studieninhalte auf die Ausbildungszeit angerechnet werden könnten, erscheint den meisten als eine Blackbox.

Studienabbrecher als Azubis

Die Studienabbrecher selbst gelten dagegen nicht als komplizierter als andere Lehrlinge. Sie lassen sich aus Sicht jedes zweiten Betriebs ohne Probleme in eine Gruppe anderer Azubis integrieren. Als problemlos wird auch die Vermittlung der Ausbildungsinhalte an Studienabbrecher angesehen. Das sagen vier von fünf der erfahrenen Betriebe und keiner sieht hierin besondere Herausforderungen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage nach der Zusammenarbeit zwischen Studienabbrechern und Ausbildern – hier werden keine großen Probleme gesehen.

Keine Ausnahmen für Studienabbrecher

Extrawürste für Studienabbrecher lehnen die meisten Betriebe ab. Sie möchten nicht, dass die Ausbildungszeit für diese Gruppe über das derzeit geltende Maß hinaus verkürzt wird.

Zwei Drittel der erfahrenen Betriebe halten es auch für keine gute Idee, dass Studienleistungen Teile der Ausbildungsabschlussprüfung ersetzen beziehungsweise mit ihnen gleichgesetzt werden.

Unternehmen, die Studienabbrecher einstellen und sie am Ende der Lehre wieder ziehen lassen müssen – das dürfte gar nicht so selten sein. Fast jeder vierte Betrieb, der Studienabbrecher eingestellt hat, geht davon aus, dass es schwierig sein könnte, die neue Fachkraft zu halten. Ein weiteres Viertel der Betriebe ist indes optimistisch, die akademisch vorgebildeten Fachkräfte auch behalten zu können.

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