IW-Konjunkturumfrage Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Am Rande der Stagnation

Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Zwar erwarten die Unternehmen für 2013 keine Rezession, aufgrund der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik und der schwelenden Schuldenkrise halten sie sich aber mit Investitionen zurück. Auch die Zeiten des Beschäftigungsaufbaus sind erst einmal vorbei.

Kernaussagen in Kürze:
  • Zwar erwarten die Unternehmen für 2013 keine Rezession, aufgrund der nachlassendenweltwirtschaftlichen Dynamik und der schwelenden Schuldenkrise halten sie sich aber mit Investitionen zurück.
  • Fast 28 Prozent der Firmen rechnen für 2013 mit niedrigeren Investitionen als in diesem Jahr; nur knapp 23 Prozent wollen mehr investieren.
  • Deutschlandweit gibt es mit fast 28 Prozent spürbar mehr Firmen, die Personal abbauen wollen, als solche, die mit mehr Beschäftigten rechnen.
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Dass die deutsche Konjunktur nicht unverwundbar ist, versteht sich eigentlich von selbst – auch wenn die größte Volkswirtschaft Europas in der Schuldenkrise lange Zeit wie eine Insel der Seligen dastand. Jetzt aber zeigen sich deutliche Bremsspuren: Beurteilten im Frühjahr 2012 lediglich 18 Prozent der gewerblichen Unternehmen ihre aktuelle Situation mit „schlechter als im Vorjahr“, so sind es derzeit bereits 30 Prozent.

Auch nach der Herbst-Umfrage unter 2.300 Unternehmen (ohne Handel und staatliche Dienstleister) bleibt das IW Köln bei seiner Prognose vom September: Demnach wird die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr nur noch um ¾ Prozent wachsen, also noch etwas schwächer als in diesem Jahr (1 Prozent). Dieses magere Plus lässt sich zudem nur erreichen, wenn die Staatsschuldenkrise nicht noch weiter eskaliert. Die Ergebnisse der IW-Konjunkturumfrage im Einzelnen:

  1. Produktion. Erstmals seit Herbst 2008 ist der Saldo aus positiven und negativen Meldungen im roten Bereich. Während nur 24 Prozent der Unternehmen von einer Zunahme ihrer Produktion ausgehen, rechnen 28 Prozent mit einer Abnahme. Besonders pessimis­tisch sind die Industrie­unternehmen: Hier reichen die negativen Einschätzungen von je rund 30 Prozent bei den Herstellern von Investitionsgütern und denjenigen von Konsumgütern bis zu fast 40 Prozent bei den Produzenten von Vorleistungsgütern.
  2. Exporte. Die Euro-Schuldenkrise ist durch das Einfallstor Außenhandel nun auch in Deutschland angekommen. Zwar gibt es immer noch mehr Unternehmen (21 Prozent), die höhere Exportumsätze erwarten, als solche, die mit sinkenden Ausfuhren rechnen (19 Prozent). Gleichwohl ist das im Vergleich zur Frühjahrsumfrage ein drastischer Absturz – damals rechneten 26 Prozent der Unternehmen mit besseren Ausfuhren und 11 Prozent mit schlechteren.
  3. Investitionen. Lag der Saldo aus positiven und negativen Meldungen im Frühjahr ebenfalls noch deutlich im Plus, so hat sich die Stimmung jetzt komplett gedreht (Grafik):

Fast 28 Prozent der Firmen rechnen für 2013 mit niedrigeren Investitionen als in diesem Jahr; nur knapp 23 Prozent wollen mehr investieren.

Dieser Umschwung gilt allerdings weniger für Ostdeutschland, wo sich positive und negative Erwartungen noch in etwa die Waage halten, sondern viel mehr für den Westen der Republik.

  1. Beschäftigung. Aufgrund des schwächelnden Auslandsgeschäfts und der damit einhergehenden geringeren Produktion werden die Unternehmen deutlich vorsichtiger. Deutschlandweit gibt es mit fast 28 Prozent spürbar mehr Firmen, die Personal abbauen wollen, als solche, die mit mehr Beschäftigten rechnen (knapp 20 Prozent).

Wie bei den Investitionen gilt der Negativ-Trend vor allem für die westdeutschen Betriebe und insbesondere für die Industrie.

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