Betriebsräte Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Alte Hasen bevorzugt

Bei den jüngsten Betriebsratswahlen haben sich vor allem Männer, Gewerkschaftsmitglieder und ältere Belegschaftsangehörige durchgesetzt, wie eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. In vielen Unternehmen gibt es außerdem mehr freigestellte Interessen­vertreter als gesetzlich vorgeschrieben.

Kernaussagen in Kürze:
  • In jedem elften Betrieb in Westdeutschland und in jedem zehnten in Ostdeutschland existiert ein Betriebsrat.
  • Zwei von drei der 2014 gewählten Betriebsratsmitglieder sind alte Hasen.
Zur detaillierten Fassung

Was haben Betriebsratswahlen und Fußballweltmeisterschaften gemeinsam? Seit 1990 finden sie im selben Jahr und im selben Turnus statt. Der reguläre Wahlaufruf erfolgt stets zwischen dem 1. März und 31. Mai eines Jahres und richtet sich an Arbeitnehmer in Betrieben mit mindestens fünf Beschäftigten. Im vergangenen Jahr gaben im Rahmen von Betriebsratswahlen im Durchschnitt mehr als drei Viertel der wahlberechtigten Arbeitnehmer ihre Stimme ab.

Allerdings wird längst nicht in jedem Betrieb gewählt, wo es gemäß Betriebsverfassungsgesetz möglich wäre. Denn nur in jedem elften Betrieb in Westdeutschland und nur in jedem zehnten in Ostdeutschland existiert überhaupt ein Betriebsrat. Insbesondere kleinere Firmen mit höchstens 100 Arbeitnehmern verzichten vergleichsweise oft auf die Einrichtung einer gesetzlichen Inter­essenvertretung. Und auch in manch größerem Unternehmen finden die Beschäftigten einen anderen Weg, ihre Interessen mit denen des Arbeitgebers auszubalancieren.

Dort, wo Betriebsräte gewählt werden, haben sie sich jedoch als Ansprechpartner für die Belange der Belegschaft etabliert. Dafür spricht zum einen die hohe Wahlbeteiligung, die 2014 bei fast 77 Prozent lag. Zum anderen können die meisten Betriebsräte in den befragten Unternehmen auf eine lange Historie verweisen, nur in Einzelfällen wählten die Beschäftigten im Jahr 2014 in ihrem Unternehmen zum ersten Mal einen Betriebsrat.

Als Indiz für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Betriebsräten gilt das einvernehmliche Abweichen von den Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes. Dies schreibt zum Beispiel vor, dass in größeren Betrieben ein Teil der Betriebsräte freizustellen ist, damit diese sich voll und ganz ihren Aufgaben als Interessenvertreter widmen können. Aber auch viele kleinere Unternehmen halten es mit dieser Praxis (Grafik):

In knapp der Hälfte der befragten Unternehmen mit weniger als 200 Arbeitnehmern ist ein Betriebsratsmitglied vollständig von der Arbeit freigestellt.

Mehr Freistellungen als vorgesehen finden sich auch in jedem Zehnten jener Unternehmen, die den gesetzlichen Schwellenwert von 200 Mitarbeitern überschreiten.

Andererseits haben die Betriebsräte in rund jedem fünften Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern auf die Ausschöpfung der gesetzlichen Freistellungsmöglichkeiten verzichtet. Beide Abweichungen – die nach oben und nach unten – zeigen, dass viele Unternehmen und deren Belegschaften die Ausgestaltung der betrieblichen Mitbestimmung an ihre Bedingungen anpassen.

Dass nicht nur die Institution selbst etabliert ist, sondern auch die Mitglieder dieses Gremiums es sind, zeigt ein Blick auf die Zusammensetzung der Betriebsräte (Grafik):

Zwei von drei der 2014 gewählten Betriebsratsmitglieder sind alte Hasen, von den Betriebsratsvorsitzenden bringen sogar drei von vier bereits Erfahrung in dieser Funktion mit.

Die hohe Wiederwahlquote spiegelt sich in der Altersstruktur der meisten Betriebsräte wider. Jedes zweite Betriebsratsmitglied in Deutschland war 2014 zwischen 46 und 59 Jahre alt. Lebens- und Berufserfahrung werden also offensichtlich von der Belegschaft goutiert. Der hohe Anteil älterer Mitglieder und Vorsitzender signalisiert aber auch, dass für manch einen eine Karriere als betrieblicher Interessenvertreter ansprechender sein mag als im angestammten Beruf.

Frauen erringen im Schnitt ein Viertel der Mandate und sind – gemessen an ihrem Beschäftigtenanteil – in den untersuchten Unternehmen angemessen repräsentiert, mitunter sogar überdurchschnittlich. Lediglich in etwas mehr als 9 Prozent der Unternehmen – zumeist im Dienstleistungssektor – sind Frauen im Betriebsrat unterrepräsentiert.

Trotz aller Kontinuität ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung ein zerbrechliches Gebilde. Umso wichtiger ist es, den gesetzlichen Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung von Themen zu entlasten, die originär in den Entscheidungsbereich des Unternehmers fallen. Dies gilt beispielsweise für die Ausweitung der Mitbestimmung in Sachen Werkverträge.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de