Arbeitsmarkt Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Alles wird besser

Nach einer langen ­Phase des Niedergangs hat sich der ostdeutsche Arbeitsmarkt gefangen. Seit knapp einem Jahrzehnt sinkt die Zahl der Arbeitslosen deutlich – und das nicht nur, weil der Arbeitsmarkt durch Demografie und Abwanderung entlastet wird.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nach einer langen Phase des Niedergangs hat sich der ostdeutsche Arbeitsmarkt gefangen.
  • Von 1992 bis 2002 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ostdeutschland um fast 1,3 Millionen.
  • Von 2005 bis 2013 halbierte sich die Zahl der Arbeitslosen auf 870.000 und die Arbeitslosenquote sank auf 11,6 Prozent
Zur detaillierten Fassung

In wirtschaftlicher Hinsicht setzte kurz nach der Vereinigung in den neuen Bundesländern Ernüchterung ein. Das lag vor allem am Arbeitsmarkt, der sich binnen kürzester Zeit rapide verschlechterte. Viele ostdeutsche Unternehmen waren der plötzlichen Konkurrenz durch westdeutsche Firmen nicht gewachsen – sie mussten Betriebsteile schließen oder ganz dichtmachen.

Durch diesen Transformationsprozess gingen viele Arbeitsplätze verloren:

Von 1992 bis 2002 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ostdeutschland um fast 1,3 Millionen.

Auch zu Beginn der 2000er Jahre kehrte keine Ruhe ein. Denn infolge der Dotcom-Krise verschwanden im Osten von 2002 bis 2005 weitere 400.000 Jobs.

Parallel zum Stellenabbau nahm die Arbeitslosigkeit enorm zu. Im Jahr 2003 kletterte die Arbeitslosenquote im Osten erstmals über die Marke von 20 Prozent und erreichte 2005 mit 20,6 Prozent ihren Höhepunkt (Grafik).

Doch seitdem hat sich der Arbeitsmarkt-Trend gedreht – nicht zuletzt aufgrund der Agenda-Reformen der Regierung Schröder.

Von 2005 bis 2013 halbierte sich die Zahl der Arbeitslosen auf 870.000 und die Arbeitslosenquote sank auf 11,6 Prozent.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit wird häufig damit erklärt, dass die Zahl der Erwerbspersonen abgenommen habe. Das trifft zu, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn letztlich beeinflussen zwei Faktoren den ostdeutschen Arbeitsmarkt:

1. Abwanderung. Zwischen 2005 und 2013 schrumpfte die Zahl der Ostdeutschen im erwerbsfähigen Alter um rund 1,2 Millionen. Verantwortlich dafür war zum einen der Geburtenknick, der kurz nach der Wende einsetzte. Damals sank die Geburtenrate innerhalb weniger Jahre auf weniger als ein Kind pro Frau. Mittlerweile wird im Osten aber das Westniveau von knapp 1,4 Kindern pro Frau übertroffen.

Zum anderen haben viele Ostdeutsche ihrer Heimat den Rücken gekehrt: Seit 2005 sind per saldo 260.000 Personen ausgewandert (ohne Berlin). In den vergangenen Jahren hat sich der Exodus jedoch abgeschwächt, 2012 wurde sogar eine Netto­zuwanderung verzeichnet.

2. Neue Jobs. Seit dem Jahr 2005 sind östlich der Elbe fast 600.000 neue Stellen geschaffen worden. ­Zuwächse gab es vor allem in der Zeitarbeit, im Gesundheits- und ­Sozialwesen sowie im Einzelhandel. Rückläufig war dagegen die Beschäftigung im Erziehungswesen – wo es weniger Kinder gibt, werden auch weniger Lehrer gebraucht. Einen kleinen Zuwachs verbucht auch die Metall- und Elektro-Industrie, die mit 480.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber in den neuen Bundesländern ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de