Rente mit 67 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Alle machen mit

Quer durch die EU werden die Regelaltersgrenzen an die steigende Lebenserwartung angepasst. Am weitesten geht dabei Irland. Dort soll in gut zehn Jahren sogar die Rente mit 68 Realität werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Quer durch die EU werden die Regelaltersgrenzen an die steigende Lebenserwartung angepasst.
  • Eine höhere Altersgrenze ist unverzichtbar, wenn der Beitragssatz zur Rentenversicherung nicht über die gesetzlichen Höchstgrenzen von 20 Prozent im Jahr 2020 und 22 Prozent 2030 klettern oder das Versorgungsniveau weiter sinken soll.
  • Nach 2020 wird die Rente mit 67 bis auf wenige Ausnahmen europaweit Standard.
Zur detaillierten Fassung

In Deutschland wurde die stufenweise Einführung der Rente mit 67 bereits im Jahr 2007 beschlossen. Kontrovers diskutiert wird über das Vorhaben indes bis heute – vor allem die Gewerkschaften wollen das Rad der Geschichte am liebsten ganz zurückdrehen.

Dabei hat die Umstellung schon begonnen. In diesem Jahr müssen angehende Ruheständler bis zu einem Alter von 65 Jahren und drei Monaten arbeiten, um ihre Altersrente abschlagfrei zu beziehen. Diese Regelaltersgrenze steigt erst einmal jährlich um einen Monat, ab dem Jahr 2023 dann in Zweimonatsschritten, bis ab 2029 die Rente mit 67 vollständig greift.

Die Große Koalition hat jetzt aber den Echternacher Pilgerschritt getan – zwei Schritte vor, einen zurück. Langjährig Versicherte dürfen bereits heute mit 65 Jahren abschlagfrei in Rente gehen, sofern sie 45 Jahre berufstätig waren. Zukünftig soll das mit 63 Jahren möglich sein, während für alle Versicherten mit weniger Beitragszeiten die Altersgrenze angehoben wird.

Zwar steigt auch die 63er-Grenze peu à peu mit dem allgemeinen gesetzlichen Ruhestandsalter, der Abstand zwischen Regelaltersgrenze und der Altersgrenze für langjährig Versicherte bleibt aber.

Strittig ist nur noch, ob und in welchem Umfang Zeiten der Arbeitslosigkeit auf die erforderlichen 45 Beitragsjahre angerechnet werden. Davon wird abhängen, wie viele Versicherte demnächst in Versuchung geführt werden, sich vorzeitig aufs Altenteil zurückzuziehen. Sicher ist aber, dass es nicht bei einer kleinen Minderheit bleiben wird (vgl. iwd 7/2014).

Dabei ist allen bewusst, dass eine höhere Altersgrenze eigentlich unverzichtbar ist, wenn der Beitragssatz zur Rentenversicherung nicht über die gesetzlichen Höchstgrenzen von 20 Prozent im Jahr 2020 und 22 Prozent 2030 klettern oder das Versorgungsniveau weiter sinken soll.

Außerdem würde eine neue Frühverrentungswelle nicht nur junge Beitragszahler treffen – sie müssen letztlich die zusätzliche Rentnerschar finanziell unterstützen. Auch den Unternehmen drohen wichtige Leistungsträger wegzubrechen – die Fachkräftelücke wird größer statt kleiner.

Lässt sich die Wende in der Rentenpolitik hierzulande schon kaum begründen, so darf man erst gar nicht auf den Beifall der europäischen Nachbarn hoffen. Denn die meisten Länder reagieren konsequent auf die demografischen Herausforderungen und heben die Altersgrenze an (Grafik).

Nach 2020 wird die Rente mit 67 bis auf wenige Ausnahmen europaweit Standard.

Allein die Franzosen verweigern sich anscheinend – noch – der Erkenntnis, dass ein „Weiter wie bisher“ nicht zu finanzieren ist.

Dabei ist die Regelaltersgrenze ohnehin nur eine Zielvorgabe, die in der Realität aber selten erreicht wird. Denn oft stehen Arbeitnehmer dem Arbeitsmarkt schon lange vor der Regelaltersgrenze nicht mehr zur Verfügung – weil sie arbeitslos sind oder sich in der Ruhephase der Altersteilzeit befinden.

Nach Berechnungen der OECD werfen demnach Belgier und Franzosen besonders frühzeitig das Handtuch; Männer und Frauen verabschieden sich dort im Schnitt mit 60 aus dem Berufsleben (Grafik). In Deutschland ist, wenn Sonderregelungen einbezogen werden, meist mit 62 Schluss.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Lässt man Zeiten der Arbeitslosigkeit, Ruhephasen etc. außen vor, steigt seit 2001 hierzulande das Alter, ab dem die Altersrente erstmals bezogen wird, nahezu durchgängig an (Grafik). Dafür gibt es einen recht profanen Grund – Geld. Denn wer früher aussteigt, für den verringert sich seit der Jahrtausendwende der Rentenanspruch um 0,3 Prozentpunkte pro Monat.

Weitere Rechtsänderungen im Zuge der Hartz-Reformen haben den Anreiz, vorzeitig in Rente zu gehen, ebenfalls verringert. Zudem begeben sich viele Silver Workers auch deswegen nicht mehr vor dem 65. Lebensjahr aufs Altenteil, weil sich die Arbeitsmarktlage zu ihren Gunsten gedreht hat.


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