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Airbnb: Zu Gast bei Fremden

Das Vermietungsportal Airbnb ist neun Jahre nach Gründung einer der weltweit größten Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten. Obwohl es sich bei Airbnb um ein amerikanisches Unternehmen – mit Sitz in San Francisco – handelt, ist Europa der wichtigste Markt für den Zimmervermittler. Weltweit offeriert die Onlineplattform inzwischen mehr als drei Millionen Unterkünfte.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Onlineportal Airbnb vermittelt inzwischen mehr als 3 Millionen Unterkünfte weltweit.
  • Europa ist für das amerikanische Unternehmen der wichtigste Markt.
  • Die meisten Unterkünfte in Europa gibt es in Paris: Ende Juni offerierte Airbnb mehr als 90.000 Zimmer und Wohnungen in der französischen Hauptstadt.
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Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, sich das Badezimmer und oft auch noch Persönlicheres mit seinem Gastgeber zu teilen, doch beliebt ist das Homesharing allemal: Das Onlineportal Airbnb vermittelt inzwischen Unterkünfte in mehr als 65.000 Städten in 191 Ländern.

Mit mehr als 90.000 Übernachtungsmöglichkeiten ist Paris die Nummer eins in Europa bei Airbnb.

Insgesamt kommt die Plattform auf über drei Millionen Unterkünfte weltweit. Und Europa ist für den Übernachtungsdienst der wichtigste Markt (Grafik):

Allein in Paris bietet Airbnb heute rund 91.000 Unterkünfte an – 2012 gab es gerade mal 3.000.

Mit mehr als 90.000 Übernachtungsmöglichkeiten ist die französische Hauptstadt die Nummer eins in Europa bei Airbnb. Obwohl London, Berlin und Rom jeweils mehr Einwohner haben als die Seine-Metropole, bieten alle anderen europäischen Städte deutlich weniger Unterkünfte auf der Plattform an.

Einen Ausreißer stellt allerdings Kopenhagen dar: Dänemarks Hauptstadt hat nur knapp 600.000 Einwohner, doch mit fast 26.000 Airbnb-Unterkünften rangiert die Stadt im Europaranking aktuell auf einem erstaunlichen fünften Platz. Rein rechnerisch vermietet somit jeder 23. Kopenhagener ein Bett, ein Zimmer oder eine Wohnung mithilfe des Vermietungsportals.

Vergrößern Online-Zimmervermittler wie Airbnb die Wohnungsnot in den Städten?

Und das ist zugleich eines der Probleme, die Airbnb in Großstädten machen kann. Vielen Hauptstädtern und auch so manchem Bürgermeister sind die Airbnb-Touristenscharen ein Dorn im Auge. Ihr Vorwurf: Gewerbliche Vermieter verhökern lieber kurzzeitig an zahlungskräftige Touristen als langfristig an Einheimische – und vergrößern damit die Wohnungsnot.

Die Städte haben auf diese Klage längst reagiert. In Paris zum Beispiel dürfen Airbnb-Unterkünfte nicht länger als vier Monate im Jahr angeboten werden. Für Zweitwohnungen benötigen die Eigentümer eine Erlaubnis, sie als Touristenunterkunft vermieten zu dürfen, Zuwiderhandlungen können mit bis zu 100.000 Euro Bußgeld geahndet werden.

Noch restriktiver ist Berlin. Hier gilt seit rund einem Jahr das „Zweckentfremdungsgesetz“. Demnach ist die wiederholte Vermietung einer Wohnung an Touristen gesetzeswidrig – und das nicht innerhalb eines Jahres, sondern lebenslang. Erlaubt ist es dagegen, seine Wohnung mit Feriengästen zu teilen, solange sie weniger als die Hälfte des Wohnraums beanspruchen.

Airbnb selbst setzt ebenfalls auf Kooperation. In einigen Städten, in denen zeitliche Obergrenzen für die Vermietung gelten, sind Unterkünfte nach Ablauf dieses Zeitraums nicht mehr über die Plattform buchbar. In New York können Gastgeber sogar nur noch eine einzige Wohnung online anbieten.

In manchen Städten zieht Airbnb bereits die Kurtaxe für die Kommune ein

Auch beim Eintreiben von Steuern und Kurtaxen leistet die Plattform mittlerweile Unterstützung. Weltweit erhebt Airbnb in rund 270 Städten und Gemeinden die Beherbergungssteuer selbst und führt sie ab, bis Ende dieses Jahres sollen weitere 500 solcher Kooperationen hinzukommen.

Trotzdem reißt die Kritik nicht ab. Oftmals sind Städte mangels Informationen gar nicht in der Lage, Vermieter, die die Vorschriften unterlaufen, ausfindig zu machen. Dafür wären detailliertere Daten über die Gastgeber nötig, doch die gibt Airbnb nicht preis – weder in Berlin noch in New York.

EU-Parlamentarier fordern besseren Verbraucherschutz für Sharing-Angebote

Die Probleme, die eine Vermittlung privater Unterkünfte mit sich bringt, hat nun auch das EU-Parlament erkannt. Mitte Juni verabschiedete es eine Entschließung zur „Sharing Economy“, die sich für die Einführung effektiver Kriterien einsetzt, damit besser zwischen professionellen Vermietern und Privatpersonen unterschieden werden kann. Die Parlamentarier sprechen sich außerdem dafür aus, dass Plattformen wie Airbnb wirksame Strukturen für Beschwerdeverfahren einrichten sollten und ihnen auch Mindestpflichten in Sachen Sicherheit und Steuern aufzuerlegen seien.

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