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Afrika: Viele Probleme, viele Chancen

Der afrikanische Kontinent wird von Europäern oft als ein einziges Land wahrgenommen, tatsächlich aber beheimatet er 54 Staaten mit teils sehr unterschiedlichen geografischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Die Prognosen für Afrika reichen von „dauerhafter Krisenkontinent“ bis zur „globalen Wirtschaftsmacht“. Für eine bessere Vorhersage lohnt ein genauerer Blick.

Kernaussagen in Kürze:
  • In vielen Ländern Afrikas sind die politischen Strukturen relativ instabil. Korruption spielt dabei eine große Rolle.
  • Die Bevölkerung des Kontinents wächst rasant, 2050 dürften 2,4 Milliarden Menschen beziehungsweise ein Viertel der Weltbevölkerung dort leben.
  • Um wirtschaftlich relevant zu werden, bräuchte Afrika über einen längeren Zeitraum eine durchschnittliche Wachstumsrate im zweistelligen Bereich.
Zur detaillierten Fassung

Die einen sehen in Afrika eine große Krisenregion, aus der die Menschen scharenweise nach Europa fliehen. Andere verweisen immer wieder auf die enormen Chancen, die der Kontinent und seine Bewohner haben. Recht haben beide Seiten.

Instabile Demokratien. Ein großes Problem sind die Regierungen, denn die Demokratie ist in vielen afrikanischen Staaten noch immer ein wackliges Gebilde – oder überhaupt nicht vorhanden. In Ländern wie Äquatorialguinea, dem Sudan und Eritrea ist sie durch Diktaturen völlig außer Kraft gesetzt. In Staaten wie Gambia weigern sich die Machthaber, die Wahl eines neuen Präsidenten und damit den Willen des Volkes anzuerkennen. Oftmals helfen nur politischer Druck und militärische Drohungen von außen, um das alte Staatsoberhaupt von seinem Posten zu verdrängen.

Afrika hat weiter mit Problemen wie Korruption zu kämpfen, dennoch gibt es dort wirtschaftlich viel Potenzial.

Korruption und rechtliche Unsicherheiten. Im „Democracy Index 2016“ der Economist Intelligence Unit wird von den 49 Subsahara-Staaten lediglich Mauritius als vollwertige Demokratie aufgeführt. Bedenkt man die Tatsache, dass viele afrikanische Länder bis vor nicht einmal 60 Jahren Kolonien europäischer Staaten waren, ist die brüchige Demokratie nicht verwunderlich. Doch die Machtkämpfe führen zu einem weiteren Problem:

Korruption ist in Afrika weit verbreitet. Im Korruptionsindex landen nur Mauritius und Ruanda als beste afrikanische Länder im Mittelfeld auf Rang 50.

Die Organisation Transparency International listet die meisten Subsahara-Staaten in ihrem Korruptionsindex im unteren Drittel. Vetternwirtschaft, korruptionsanfällige Staatsapparate, mangelnde Verfolgung von Wirtschaftskriminalität, Bestechungen – all dies ist in den meisten Ländern oft verbreitet.

Schwache ausländische Direktinvestitionen

Mit diesem Befund lassen sich die bescheidenen Investitionen deutscher Unternehmen in Afrika zum Teil erklären. Denn wo keine Rechtssicherheit herrscht, birgt ein Investment große Risiken.

Laut Angaben der Vereinten Nationen flossen 2016 nur 3 Prozent der weltweiten ausländischen Direktinvestitionen nach Afrika.

Und das, obwohl fast 17 Prozent der Weltbevölkerung in Afrika leben. Aus Deutschland kamen nur 2 Prozent der insgesamt 51 Milliarden Dollar – aus China dagegen rund ein Viertel.

Wachsende Bevölkerung. Afrika hat die mit Abstand am schnellsten wachsende Bevölkerung der Welt. Derzeit leben auf dem Kontinent etwa 1,2 Milliarden Menschen. Bis zum Jahr 2050 dürften es doppelt so viele sein. Damit würde jeder vierte Mensch aus Afrika stammen. Das Durchschnittsalter ist bereits heute mit gerade einmal 18 Jahren sehr niedrig.

In den kommenden Jahren werden sich viele junge Afrikaner auf die Suche nach einem Job machen. Das bietet ausländischen Unternehmen die Chance, vor Ort Produktionsstätten zu errichten und genügend Angestellte zu finden. Laut Internationalem Währungsfonds braucht es jährlich in Afrika 20 Millionen neue Arbeitsplätze, aktuell sind es pro Jahr nur vier Millionen. Sollte sich daran nichts ändern, besteht die Gefahr, dass sich perspektivlose junge Menschen auf den Weg nach Europa machen und dabei ihr Leben riskieren.

Starke Start-up-Szene

Bildung verbessert sich. Grundvoraussetzung für qualifizierte Kräfte ist eine gute Bildung. Auf dem Kontinent gibt es in dieser Hinsicht deutliche Fortschritte:

Während in den 1970er Jahren noch 70 Prozent der Afrikaner Analphabeten waren, können heute nur noch 36 Prozent weder lesen noch schreiben.

Die 668 Universitäten Afrikas entlassen jährlich rund zehn Millionen Absolventen auf den Arbeitsmarkt. Da viele von ihnen nicht direkt einen Job finden, wächst die Start-up-Szene – vor allem im Techniksektor. Die Weltbank hat im Juni 2016 in Afrika 173 technologieorientierte Gründerzentren registriert. Auch ausländische Investoren entdecken die Szene für sich. Facebookgründer Mark Zuckerberg etwa investierte im vergangenen Jahr 24 Millionen Dollar in das nigerianische Start-up Andela.

Wirtschaftliche Lage. Afrika ist ein sehr heterogener Kontinent, entsprechend stark unterscheidet sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Auf den Seychellen ist es 64-mal so hoch wie in Burundi. Die stärksten Volkswirtschaften haben Nigeria und Südafrika (Grafik):

In Südafrika liegt das BIP pro Einwohner bei gut 13.200 Dollar. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 419,6 Milliarden Euro kommt das Land fast an den Wert des deutlich größeren Nigeria heran.

Zu Beginn des Jahrtausends sah es so aus, als würde der afrikanische Kontinent einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben: Zwischen 2000 und 2010 befanden sich sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika. Doch das Wachstum hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2017 mit einem Plus von etwa 3 Prozent. Damit wird gerade einmal das enorme Bevölkerungswachstum von 2,6 Prozent kompensiert. Ein Grund für die Entwicklung ist, dass die Länder stark auf Rohstoffausfuhren gesetzt haben. Mit dem Ende des Booms fielen die Rohstoffpreise und somit auch die Gewinne der Exportstaaten.

Zukunftsstrategie gesucht

Um wirtschaftlich relevant zu werden, bräuchte Afrika über einen längeren Zeitraum eine durchschnittliche Wachstumsrate im zweistelligen Bereich. Allein Deutschland produziert Waren und Dienstleistungen in einem Volumen, das 60 Prozent über dem von ganz Afrika liegt.

Zukunftsstrategie. Welche Strategie werden Europa und Deutschland verfolgen, um Afrika zu unterstützen? Alle Versuche – vom Bau von Fabriken bis zur Hilfe zur Selbsthilfe – haben bislang nicht zum gewünschten Erfolg geführt (siehe Kommentar Seite 4). Momentan scheint es, als sei eine Kombination aus privaten Investitionen und dem Aufbau funktionierender Institutionen der vielversprechendste Weg.

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