AfD pusht erneuerbare Energien unabsichtlich
Die Alternative für Deutschland (AfD) leugnet den menschengemachten Klimawandel und lehnt die Energiewende ab. Bei Bundesbürgern, die kritische AfD-Statements zum Ausbau der erneuerbaren Energien lesen, kann dies anschließend zu einer größeren Akzeptanz solcher Vorhaben führen.
- Das Errichten neuer Windkraftanlagen in Waldgebieten stößt in Deutschland überwiegend auf Skepsis: Der Anteil der Befürworter beträgt nur 30 Prozent, fast 46 Prozent lehnen diese Vorhaben ab.
- Bundesbürger, die ein negatives AfD-Statement zum Windkraftausbau in Waldgebieten vorgelegt bekamen, lehnten dieses Vorhaben jedoch nur noch zu knapp 42 Prozent ab.
- Dagegen vergrößerte sich der Widerstand auf rund 48 Prozent, wenn die Befragten zuvor eine ablehnende Position einer Umweltschutzorganisation lasen.
Mein politischer Feind hat immer Unrecht – diese Haltung findet sich auch in der emotional aufgeladenen Debatte der Klima- und Energiepolitik, wie eine IW-Studie in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe REXKLIMA der TU Dresden zeigt. Die Forscher befragten 5.350 Personen zu ihrer Meinung zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Waldgebieten. Ein Teil der Teilnehmer bekam zuvor ein kritisches Statement der AfD, ein anderer Teil ein kritisches Statement von Umweltschutzorganisationen vorgelegt. Eine dritte Kontrollgruppe erhielt kein Statement vor der Befragung.
Das Errichten neuer Windkraftanlagen in Waldgebieten ist umstritten. Ein negatives AfD-Statement zum dortigen Windkraftausbau lässt den Widerstand in der Bevölkerung jedoch bröckeln.
Grundsätzlich unterstützt eine Mehrheit der Bevölkerung den Ausbau von Windkraftanlagen: Rund zwei Drittel (66,8 Prozent) der Befragten in Deutschland sprechen sich dafür aus, nur 16,5 Prozent dagegen.
Umstrittener ist das Errichten neuer Windkraftanlagen in Waldgebieten: Der Anteil der Befürworter beträgt hier nur noch 30 Prozent, fast 46 Prozent lehnen diese Vorhaben ab. Interessanterweise sinkt die Zahl der ablehnenden Stimmen, wenn die Befragten zuvor eine AfD-Position lasen, die den konsequenten Ausbaustopp von Windkraft- und Photovoltaikanlagen in heimischen Wäldern fordert (Grafik):
Bundesbürger, die ein negatives AfD-Statement zum Windkraftausbau in Waldgebieten vorgelegt bekamen, lehnten dieses Vorhaben nur noch zu knapp 42 Prozent ab.
Zumindest ein Teil der Befragten lehnt also eine Position genau dann ab, wenn die AfD sie vertritt. Diese Befragten scheinen der Partei keine Glaubwürdigkeit im Bereich der Klima- und Energiepolitik zuzuschreiben. Tatsächlich war ganz allgemein die Skepsis gegenüber der rechtspopulistischen Partei zum Befragungszeitpunkt im Frühjahr 2024 groß: So stuften 71 Prozent der Bevölkerung die Partei damals als unwählbar ein.
Umweltschutzorganisationen verstärken die Skepsis
Doch nicht nur die AfD äußert Bedenken zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Waldgebieten, sondern auch verschiedene Umweltschutzorganisationen. Eine entsprechende Aussage des Naturschutzbund Deutschland (NABU), die einer weiteren Gruppe von Befragten vorgelegt wurde, überzeugte und führte dazu, dass der Widerstand stieg: Der Anteil der Ablehner von neuen Windkraftanlagen in Waldgebieten in diesem Befragungssetting lag bei rund 48 Prozent – und damit fast 3 Prozentpunkte höher als in der Kontrollgruppe, die keine Zusatzinfo erhalten hatte.
Beim weniger umstrittenen Solarausbau in Waldgebieten ergaben sich ähnliche, jedoch nicht ganz so eindeutige Befunde.