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Abschlüsse brauchen Anerkennung

Wer seinen Berufsabschluss im Ausland gemacht hat, findet in Deutschland oft schwer einen adäquaten Job. Viel Fachkräftepotenzial bleibt deshalb ungenutzt. Immerhin gilt seit April 2012 ein neues Gesetz zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse – und ein neues Internetportal gibt es auch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wer seinen Berufsabschluss im Ausland gemacht hat, findet in Deutschland oft schwer einen adäquaten Job.
  • Eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt gelingt wohl nur, wenn man auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse weiter verbessert.
  • Bislang haben nur relativ wenige Menschen einen Antrag auf Anerkennung ihres Abschlusses gestellt – 44 Prozent der Hochqualifizierten und 22 Prozent der Mittelqualifizierten.
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Von den hochqualifizierten ausländischen Arbeitnehmern in Deutschland – dazu zählt jeder Meis­ter, Techniker und Akademiker – ist nur jeder Zweite in einem Job tätig, der auch seinem Ausbildungsniveau entspricht (Grafik). Deutsche Hochqualifizierte haben dagegen sehr oft (79 Prozent) eine ausbildungsadäquate Arbeit.

Eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt gelingt wohl nur, wenn man auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse weiter verbessert – denn mehr als 60 Prozent der hierzulande lebenden Ausländer haben ihren höchsten Bildungsabschluss in ihrer Heimat erworben.

Personaler und Chefs können die Qualifikationen von Bewerbern mit ausländischen Abschlüssen oft erst durch einen Anerkennungsbescheid richtig einschätzen und einsetzen. Auch den Betroffenen selbst nützt eine gut geregelte Anerkennung: Sie wissen dann, wo genau sie sich im deutschen Bildungssystem einordnen können und inwiefern Weiterqualifizierungsbedarf besteht.

Bislang haben nur relativ wenige Menschen einen Antrag auf Anerkennung ihres Abschlusses gestellt – 44 Prozent der Hochqualifizierten und 22 Prozent der Mittelqualifizierten.

In den meisten anderen EU-Ländern sieht es nicht besser aus. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mal sind die Fachkräfte nicht anspruchsberechtigt, mal ist das System zu komplex oder zu intransparent.

In Deutschland gilt deshalb seit April 2012 ein neues Gesetz für die Anerkennung – sowohl für EU- als auch Nicht-EU-Bürger. Es schließt alle bundesrechtlich geregelten Berufe – unter anderem die rund 340 staatlich anerkannten dualen Ausbildungsberufe – ein. Für die Berufe nach Landesrecht, zum Beispiel Lehrkräfte, entwickeln die Länder aktuell entsprechende Gesetze.

Bei der Prüfung werden nicht nur die formalen Abschlüsse miteinander verglichen, sondern bei Bedarf auch berufliches Erfahrungswissen wie etwa Weiterbildungen oder Berufserfahrung berücksichtigt. Fehlen aus nicht selbst zu vertretenden Gründen erforderliche Nachweise über eine Berufsqualifikation, etwa bei Flüchtlingen, werden die Kompetenzen in Form von Fachgesprächen, Arbeitsproben oder Prüfungen festgestellt.

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