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Abschied vom Hotel Mama

In Deutschland gibt es mehr als 550 Jugendwohnheime mit insgesamt 60.000 Plätzen für Auszubildende. Träger der Einrichtungen sind vor allem Kirchen und die Wirtschaft.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland gibt es mehr als 550 Jugendwohnheime mit insgesamt 60.000 Plätzen für Auszubildende.
  • Von Januar bis September 2013 kamen allein im Rahmen des Programms MobiPro-EU fast 1.000 junge Spanier ins Land, um eine Lehre zu starten.
  • Für junge Ausländer bietet ein Wohnheim den Vorteil, dass sie dort im Miteinander schneller Deutsch lernen und etwas von der Kultur ihrer neuen Heimat mitbekommen.
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Viele Jugendliche absolvieren ihre Ausbildung fernab der Heimat und müssen dafür das Hotel Mama verlassen. Allein 2012 wechselten fast 86.000 junge Leute oder 6 Prozent aller Auszubildenden für ihre Lehre das Bundesland (Grafik). Zudem machten sich rund 1.300 junge EU-Bürger auf den Weg nach Deutschland, um hier eine duale Berufsausbildung zu absolvieren.

Von Januar bis September 2013 kamen allein im Rahmen des Programms MobiPro-EU fast 1.000 junge Spanier ins Land, um eine Lehre zu starten.

Für die mobilen Azubis sind Jugendwohnheime eine ideale Anlaufstelle. Sie wohnen hier nicht nur günstig – darüber hinaus werden die jungen Leute auch sozialpädagogisch betreut. In den Wohnheimen lernen die Jugendlichen außerdem, eigenständig zu sein, sie finden Freunde und knüpfen erste berufliche Netzwerke.

Für junge Ausländer bietet ein Wohnheim den Vorteil, dass sie dort im Miteinander schneller Deutsch lernen und etwas von der Kultur ihrer neuen Heimat mitbekommen.

Eine weitere Bewohnergruppe der Heime sind Auszubildende, deren Berufsschulunterricht in Blöcken fernab vom Ausbildungsort stattfindet, sowie Jugendliche, die längere Phasen ihrer schulischen Berufsausbildung auswärts absolvieren. So lernen beispielsweise alle angehenden Hörgeräteakustiker ihr Handwerk an einer Berufsschule in Lübeck und die Fachkräfte für Süßwarentechnik werden allesamt in Solingen ausgebildet.

Auch viele benachteiligte junge Menschen in Übergangsmaßnahmen wie dem Berufsvorbereitungs- oder dem Berufseinstiegsjahr sind in den Wohnheimen zu Hause.

Die dortige intensive Betreuung zahlt sich offenbar aus:

  • Während nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung rund 20 Prozent aller Azubis ihre Ausbildung ohne Abschluss beenden, beträgt dem Landes-Caritasverband Bayern zufolge die Abbrecherquote der Wohnheimnutzer nur 5 Prozent.
  • Von den ausländischen Auszubildenden gaben laut einer Umfrage des Projekts „leben. lernen. chancen nutzen.“ 54 Prozent an, sich nur wegen des Wohnheimplatzes für den Ausbildungsplatz entschieden zu haben. Zudem hätte jeder Dritte ohne die sozialpädagogische Unterstützung seine Ausbildung abgebrochen. Der Erhalt und weitere Ausbau der Jugendwohnheime wäre schon von daher wünschenswert.

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