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ABC für Mitarbeiter

Rund 7,5 Millionen erwachsene Bundesbürger im Alter von 18 bis 64 Jahren können nicht richtig lesen und schreiben, darunter 4,3 Millionen Erwerbstätige. Die Betriebe können diesen Mitarbeitern durch gezielte Maßnahmen helfen, ihr sprachliches Handicap zu verringern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Rund 7,5 Millionen erwachsene Bundesbürger im Alter von 18 bis 64 Jahren können nicht richtig lesen und schreiben, darunter 4,3 Millionen Erwerbstätige.
  • Demnach verfügen fast 45 Prozent aller erwerbstätigen An- und Ungelernten nur über eine sehr geringe Lesekompetenz.
  • Funktionale Analphabeten sind allerdings im Betriebsalltag gar nicht so leicht zu erkennen.
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Am 8. September ist wieder Weltalphabetisierungstag. Dann kommt auch in Deutschland das Tabuthema Analphabetismus auf den Tisch – zu Recht. Denn jährlich verlassen bis zu 220.000 Jugendliche die Schulen, ohne richtig lesen, schreiben und rechnen zu können.

Die berufliche Zukunft dieser jungen Leute sieht meist düster aus, eine Ausbildung ist so gut wie ausgeschlossen. Nicht zuletzt deshalb hat in Deutschland etwa jeder sechste Erwerbstätige keine Berufsausbildung, ist also geringqualifiziert.

Wie viele geringqualifizierte Arbeitnehmer mit schulischen Defiziten zu kämpfen haben, macht eine Studie des IW Köln deutlich:

Demnach verfügen fast 45 Prozent aller erwerbstätigen An- und Ungelernten nur über eine sehr geringe Lesekompetenz.

Sie sind zwar in der Lage, Wörter zu identifizieren und einzelne Sätze zu lesen. Längere Texte wie eine schriftliche Arbeitsanweisung verstehen sie indes nicht.

Nach einer Untersuchung der Universität Hamburg ist der Anteil dieser Mitarbeiter in der Bauwirtschaft besonders groß (Grafik).

Ohne ausreichende Grundbildung können die Mitarbeiter aber die ständigen Veränderungen am Arbeitsplatz sowie anspruchsvollere Aufgaben nur schwer bewältigen.

Funktionale Analphabeten sind allerdings im Betriebsalltag gar nicht so leicht zu erkennen. Denn die Betroffenen entwickeln geschickte Vermeidungsstrategien, mit denen sie ihre Schwächen vor Kollegen und Vorgesetzten verstecken. Sie geben vor, ihre Brille vergessen zu haben, wenn sie ein Formular ausfüllen sollen, oder schreiben sehr undeutlich.

Häufen sich Hinweise auf mangelnde Grundkenntnisse – wenn zum Beispiel Aufträge oft fehlerhaft bearbeitet werden –, müssen die Vorgesetzten nach den Ursachen forschen und den Betroffenen entsprechende Hilfen anbieten (Kasten). Denn nur wenn es mit der Grundbildung klappt, können die Mitarbeiter auch fachlich weitergebildet werden.

Der Einsatz lohnt sich für beide Seiten. Denn langfristig trägt die arbeitsplatzbezogene Grundbildung dazu bei, die Potenziale der Mitarbeiter zu fördern und den Fachkräftebedarf zu decken.

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