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16 Millionen Chancen

Während die Politik primär auf Zuwanderung setzt, um den Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern, werden die hier lebenden Migranten mitunter übersehen. Die aber haben großes Potenzial: Einerseits ist ihre Erwerbsquote relativ niedrig – andererseits arbeiten viele in einem Job, für den sie überqualifiziert sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Während die Politik primär auf Zuwanderung setzt, um den Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern, werden die hier lebenden Migranten mitunter übersehen.
  • Während 75 Prozent der 15- bis 64-jährigen Deutschen erwerbstätig sind, arbeiten von den gleichaltrigen Migranten nur 63 Prozent.
  • 33 Prozent der Migranten im erwerbsfähigen Alter haben keinen Berufsabschluss – bei den Einheimischen sind es nur knapp 10 Prozent.
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Es gibt viele Möglichkeiten, den Fachkräftemangel zu bekämpfen: Man kann versuchen, die Geburtenrate zu steigern und die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren zu erhöhen. Oder man setzt gezielt auf Zuwanderung von Hochqualifizierten, wie dies mithilfe der Blue Card bereits praktiziert wird.

Bei all diesen Bemühungen spielen Migranten, die bereits in Deutschland leben, noch eine etwas untergeordnete Rolle. Dabei gibt es in der Bundesrepublik 16 Millionen Menschen, die entweder selbst aus dem Ausland stammen oder deren Eltern eingewandert sind – das ist fast jeder fünfte Einwohner. Die meisten von ihnen kommen oder kamen aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Polen, Russland und Italien. Allerdings ist diese Gruppe deutlich schlechter in den Arbeitsmarkt integriert als die einheimische Bevölkerung:

Während 75 Prozent der 15- bis 64-jährigen Deutschen erwerbstätig sind, arbeiten von den gleichaltrigen Migranten nur 63 Prozent.

Ein Grund für die geringere Erwerbstätigkeit der Ausländer ist ihre schlechtere Qualifikation: 33 Prozent der Migranten im erwerbsfähigen Alter haben keinen Berufsabschluss – bei den Einheimischen sind es nur knapp 10 Prozent.

Allerdings tun sich auch gut ausgebildete Migranten auf dem Arbeitsmarkt merklich schwerer als ihre deutschen Landsleute. Von den Akademikern mit Einwanderungsgeschichte waren im Jahr 2011 nur 77 Prozent erwerbstätig, von den einheimischen Akademikern dagegen 90 Prozent (Grafik).

Weil im Ausland erworbene Abschlüsse mitunter in Deutschland nicht anerkannt werden, arbeiten viele Migranten überdies in Berufen, für die sie überqualifiziert sind. Lediglich 30 Prozent der Akademiker mit ausländischen Wurzeln gehen hierzulande einem adäquaten Beruf nach – sie arbeiten also beispielsweise als Ingenieur, Arzt, Wissenschaftler oder Unternehmer. Von den Hochschulabsolventen ohne Migrationshintergrund gelingt dies dagegen 47 Prozent.

Um die Anerkennung ausländischer Abschlüsse voranzutreiben, ist seit April 2012 das Anerkennungsgesetz in Kraft. Doch auch Unternehmen können einen Beitrag leisten, um Fachkräften, die ihren Abschluss im Ausland erworben haben, sowohl den Einstieg als auch den Aufstieg zu erleichtern. Wie das geht, zeigt diese Internetseite:

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