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1:0 für England

Die Sommerpause ist vorbei, der Ball rollt wieder. Um national und international oben mitspielen zu können, geben die europäischen Vereine viel Geld für neue Spieler aus – allen voran die finanzstarken englischen Clubs.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die englischen Fußballvereine investierten im Sommer der Saison 2014/2015 über 1 Milliarde Euro in neue Spieler. In der spanischen Primera Division waren es gut 500 Millionen Euro, in der deutschen Bundesliga 314 Millionen Euro.
  • In der Bundesliga war der Transfersaldo in den vergangenen zehn Jahren immer negativ, aber hat nie die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten.
  • Die englischen Vereine geben immer viel mehr Geld für neue Spieler aus, als über Verkäufereinkommt. Seit 2011 hat sich das englische Transferdefizit von gut 200 Millionen Euro auf fast eine halbe Milliarde Euro im Jahr 2014vergrößert.
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Nationalspieler Bastian Schweinsteiger wechselt für 18 Millionen Euro von Meister Bayern München zu Manchester United und die TSG Hoffenheim verkauft den Brasilianer Roberto Firmino für 41 Millionen Euro nach Liverpool. Die englische Premier League ist zurzeit das Maß aller Wechsel-Dinge. Der Blick auf die 20 Vereine mit den höchsten Transferausgaben zeigt (Grafik):

Die englischen Fußballvereine investierten im Sommer der Saison 2014/2015 über 1 Milliarde Euro in neue Spieler. In der spanischen Primera Division waren es gut 500 Millionen Euro, die deutschen Vereine gaben 314 Millionen Euro für neue Spieler aus.

Eine wichtige Rolle spielt in England die Finanzkraft der Investoren – bei Manchester City beispielsweise hält die Herrscherfamilie von Abu Dhabi die finanziellen Fäden in der Hand. Zudem spült die Vermarktung der TV-Rechte den britischen Fußballclubs hohe Erlöse in die Kassen: Für die Jahre 2016 bis 2019 bekommen sie 6,9 Milliarden Euro und damit rund 70 Prozent mehr als beim vorherigen Vertrag.

Zwar schreibt die Financial-Fairplay-Politik der europäischen Fußballunion UEFA vor, dass Ausgaben und Einnahmen der Vereine nicht allzu stark ausufern dürfen. Trotzdem sind die Ausgaben für neue Spieler in der aktuellen Transfer­periode – die Ende August schließt – bereits jetzt bemerkenswert:

Die britische Liga liegt mit Ausgaben von aktuell 742 Millionen Euro an der Spitze, gefolgt von den spanischen Vereinen mit 437 Millionen Euro und der Bundesliga mit gut 315 Millionen Euro.

Den Ausgaben für neue Spieler stehen fast immer auch Einnahmen gegenüber. Daher ist der Transfersaldo – die Differenz zwischen Ausgaben für und Einnahmen aus Spielertransfers – eine wichtige Größe für die Nettoinvestition in ein Team. In der Bundesliga war der Transfersaldo in den vergangenen zehn Jahren zwar immer negativ, allerdings hat er nie die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten. Die spanischen Vereine hatten oft deutlich höhere negative Salden, im Jahr 2008 und zwischen 2012 und 2014 hatte die Primera Division allerdings mehr Einnahmen als Ausgaben. Die englischen Vereine dagegen geben immer viel mehr Geld für neue Spieler aus, als über Verkäufe reinkommt. Seit 2011 hat sich das englische Transferdefizit von gut 200 Millionen Euro auf fast eine halbe Milliarde Euro im Jahr 2014 vergrößert.

Ein Ausreißer war in Spanien und England der Sommer 2009: Auf der Insel waren die Einnahmen vergleichsweise hoch, und in Spanien die Ausgaben. Dies lässt sich durch den Transfer von Cristiano Ronaldo erklären, der 2009 für 94 Millionen Euro von Manchester United zu Real Madrid wechselte. Die „Königlichen“ griffen in dem Sommer generell besonders tief in die Tasche und gaben 250 Millionen Euro für neue Spieler aus – fast so viel wie aktuell alle deutschen Bundesligisten zusammen.

Einige besonders finanzstarke Vereine stechen hervor: In der aktuellen Transferperiode haben bisher Bayern München, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach mit insgesamt 136 Millionen Euro das meis­te Geld für neue Spieler bezahlt und zusammen 43 Prozent aller Ausgaben der Bundesligisten getätigt. In England kommen der FC Liverpool, Manchester City und Manchester United mit gut 290 Millionen Euro auf einen Anteil von 40 Prozent. Der wiederum liegt aber immer noch weit unter dem der drei kauffreudigsten spanischen Vereine: Atletico Madrid, der FC Valencia und Real Madrid haben bisher zusammen 290 Millionen Euro in neue Spieler inves­tiert, das sind mehr als 66 Prozent der gesamten Transferausgaben in der spanischen Liga.

Den hohen Ausgaben stehen allerdings auch entsprechende sportliche Erfolge gegenüber: In den vergangenen zehn Jahren stellte die Premier League zehn Halbfinalteilnehmer in der Champions League. Deutschland kam auf sieben, Spanien auf sechs Teams.

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